Vergangenheit + Aufklärung

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Aufklärung ?

Nein, die Kinder wären dadurch zu sehr verunsichert
5
19%
Ja, den Kindern muss die Möglichkeit gegeben werden sich über die Vergangenheit im Klaren zu sein.
22
81%
 
Abstimmungen insgesamt : 27

Vergangenheit + Aufklärung

Beitragvon Sebastian » 13.05.2006, 18:09

Einen Gruß in die Runde,

seit längerem frage ich mich, ob der Religions bzw Konfirmandenunterricht geeignet dafür ist, Kinder über die Vergangenheit unserer Kirche aufzuklären. Der Religionsunterricht wurde bisher dafür genutzt, den Kindern die Geschichte der NAK beizubringen. Allerdings werden die unschönen Epochen bewusst ausgelassen. Wieso?

Das erste Mal, als ich von Bischoffs Botschaft laß wurde mir ganz schlecht und ich war erschrocken über den Irrglauben der seinerzeit in unserer Kirche spukte. Ich war damals 15 Jahre. Ich erfuhr von der "Botschaft" erst durch ein Buch von Herrn Obst.
Meine Kirche hat mich nicht darüber informiert.

Was denkt ihr? Ist es sinnvoll die Kinder aufzuklären? Sollte darüber besser nicht gesprochen werden? Ab welchem Alter wäre eine Aufklärung denkbar bzw. sinnvoll, ganz zu Schweigen von dem Interlekt der zu unterrichtenden Kinder?

Wie sollte Aufklärung aussehen?
Sebastian
 

Beitragvon König und Herold » 13.05.2006, 19:31

Hallo Sebastian,

schon um zu vermeiden, dass wie bei Dir auch bei anderen Geschwistern eine Art Schockreaktion über die verschwiegenen "unschönen Epochen" der NAK entsteht, wäre eine rechtzeitige wahrheitsgemäße Unterweisung der Kinder angebracht.

Auch eine selbstkritische Haltung wäre nicht abwegig. Das steht natürlich im Zusammenhang mit der Bereitschaft der NAK, Fehler einzugestehen und entsprechende Konsequenzen daraus zu ziehen. :cry:

Wie soll den Kindern die Geschichte der NAK nahegebracht werden, wenn viele Amtsträger und viele Geschwister selbst keine Ahnung oder vielleicht sogar Angst haben, sich damit zu beschäftigen ?

Mein jüngerer Bruder ist Priester der NAK. Ich sage nicht als Wertung, sondern nur als Festellung: Er weiß über die Geschichte der NAK fast nichts. :(


Man kann es den Geschwistern eigentlich nicht zum Vorwurf machen, war doch lt. Apostel Drave ein Zurückblicken auf historische Entwicklungen nicht notwendig, weil wir unser Hauptaugenmerk auf das Wiederkommen des Herrn gerichtet hatten und die Gemeinde darauf vorbereitet werden musste.

Warum stellst Du Deine Frage nicht einmal direkt an Deinen Apostel Drave ? Hast Du Angst ?
Ich kann Dir aber schon jetzt die Antwort sagen, die dann kommt:

"Halten wir fest, es gibt noch viel zu tun." :lol:

Schöne Grüße nach Hamburg

KuH
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Beitragvon Sebastian » 13.05.2006, 20:07

Werter KuH,

warum sollte ich Angst vor AP Drave haben? Ich denke BAP Schumacher wäre die bessere Adresse. Die beste Adresse wäre Stammapostel Leber, da die Vergangenheitsbewältigung allen neuapostolischen Christen etwas angehen müsste.

Es reicht meines Erachtens nicht mehr aus zu sagen: "Das ist schon solange her, wir müssen nach vorne gucken." Fakt ist, dass zum Beispiel STAP Bischoffs "Botschaft" ein Teil unserer Geschichte ist, die uns als Kirche unglaubhaft erscheinen lässt. Nicht nur das. Wenn wir eine "offene Kirche" nicht nur auf dem Papier sein wollen, müssen wir uns auch nach innen öffnen und Dinge ansprechen und endlich Stellung beziehen anstatt alles unter den Teppich zu kehren.

Meine Frage ging dahin in wie weit die Kinder darin eingebunden werden könnte/sollten. Wenn wir offen sein wollen müssen wir diese Offenheit den Kindern doch irgendwie vorleben, oder? Solche Themen müssten man dann auch mit Kindern, in einer kritischen Betrachtungsweise behandeln...
Sebastian
 

Beitragvon gecko » 13.05.2006, 20:40

lieber sebastian,

meine befuerchtung: die kinder interessiert das absolut nicht ... sollte es sie aber interessieren und sie danach fragen, dann sollten sie ehrliche und kompetente ansprechpartner haben ...

... meines erachtens eher geeignet fuer jugendabende ...

gruss
gecko

p.s.
hast Du mein avatarBildchen schon gesehen :wink:
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Beitragvon Sebastian » 13.05.2006, 22:19

Lieber Gecko,

mit deinen Befürchtungen kannst du in manchen Fällen richtig liegen. Null Interesse/Bock haben viele Schüler in der Schule, wenn sie in den Stunden "Faust" durchnehmen. Lesen müssen sie das Werk trotzdem.

Anyhow, Jugendstunden sind eine klasse Idee! Nur wie soll man über Dinge diskutieren, von denen man noch nie gehört hat?

Ich saß damals oft, als ich noch "frisch" in der Jugend war :wink: , in der Runde und sagte: "Sagt mal, wovon redet ihr eigentlich?" Bei hochbrisanten Themen fand ich es blöd, dass ich solche Lücken hatte :roll: ...

Wäre es also besser - vor der Konfirmation - im Unterricht, die Vergangenheit unserer Kirche den Kindern offen darzulegen?

Na klar, hab ich deinen Avatar bemerkt... :P

Gruß
S.
Sebastian
 

Beitragvon Sebastian » 14.05.2006, 10:42

-Überwinden-

Im heutigen Gottesdienst war, wie ihr aus der Predigtvorbereitung entnehmen konntet, vom Überwinden die Rede. Neben der doch eher alt - neuapostolisch befriedigenden Predigt, nach dem Motto: Wir haben die Welt überwunden, weil nur wir aus Gott geboren sind usw :roll: sprach ein Priester davon, dass wir auch die Vergangenheit überwinden sollten. Ich muss gestehen, dass ich bei dem Geäusserten große Zweifel in Hinsicht auf die Wahrhaftigkeit habe.

"Wir können die Vergangenheit überwinden, indem wir unsern Blick nach vorne richten und die Dinge die Fehlerhaft waren hinter uns lassen. Es hilft nicht die "alten Sachen" wieder hervor zu kramen, die bei uns schlecht waren (kleine Anmerkung von mir: Es ist lobenswert, dass ausgesprochen wurde, dass Fehler gemacht wurden). Wer ein Hinderniss überwindet, der schaut nicht mehr zurück."

So, widergegeben von mir, war der Predigtbeitrag zu vernehmen. Liegt die Überwindungskraft wirklich im Vergessen? Meine persönlichen Erfahrungen, aus dem ganz normalen Alltag, widersprechen dem. Fehler, vor allem die eigenen, werden überwunden indem man sich ihnen stellt, indem Einsicht gezeigt wird und auch Entschuldigungen ausgesprochen werden. Haben wir dieses Hinderniss eigetlich schon überwunden, oder stehen wir noch davor?

Nun komme ich zu den Kindern. Wer als Lehrkraft in der Kirche tätig ist und die Lehrbücher etwas studiert, der stellt schnell fest, dass dort den Kindern und den Lehrern eine makellose Kirchengeschichte verkauft werden soll. Es soll der Eindruck entstehen, dass das "Werk Gottes" die ganze Zeit seit seinem Beginn fehlerlos sich auf dieser Erde bewegte. Das ist meines Erachtens nicht richtig, sondern eine Geschichtsverfälschung. Anders gesagt es ist eine Lüge. Warum sollen wir unseren Kindern suggerieren, dass unsere Kirche fehlerlos sei, wenn dies nicht stimmt? Sind die späteren Jugendlichen nicht viel verwirrter und unsicher, wenn sie mit Aussagen über unsere Geschichte konfrontiert werden, von denen ihnen nimand etwas erzählte, sie aufklärte?
Sebastian
 

Beitragvon Andy » 14.05.2006, 11:18

"Wir können die Vergangenheit überwinden, indem wir unsern Blick nach vorne richten und die Dinge die Fehlerhaft waren hinter uns lassen. Es hilft nicht die "alten Sachen" wieder hervor zu kramen, die bei uns schlecht waren"


Hallo Sebastian,

ich bin auch dafür, dass man Jugendliche auch über die "unrühmlichen" Dinge der Kirche aufklärt. Ich habe innerhalb der letzten 12 Monate zweimal von Jugendlichen gehört, dass sie von der "Botschaft" nur zufällig erfahren haben. Einmal über's Internet, einmal von einem Nichtneuapostolischen. Das ist ein Armutszeugnis des neuapostolischen Unterrichtswesens!

Zu dem oben genannten Zitat meine ich: Man kann die Vergangenheit nur überwinden, wenn sie aufgearbeitet ist. Um bei der "Botschaft" zu bleiben: Solange wir diese totschweigen oder mit falschen Rechtfertigungsgründen belegen ("Gott hat seinen Plan geändert" oder "das war eine Glaubensprüfung"), solange MÜSSEN wir die Vergangenheit "hervor kramen"! Eine ehrliche, im Geist Christi stattfindende Aufarbeitung sind wir den Geschwistern schuldig, die unter dieser Zeit sehr gelitten haben und teilweise immer noch leiden oder verbittert sind. Oder wollen wir warten, bis die alle gestorben sind?

Liebe Grüsse,
Andreas
"Ich weiß, dass mein Erlöser lebt."
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Beitragvon gecko » 14.05.2006, 11:32

man (vag+nak) trifft sich ja ende mai ... vielleicht klappt's ja mit einer wahrhaftigen aufarbeitung ...

... da meine ich aber nicht unbedingt "alle dinge kleinlich aufrechnen"

wir haben eine gemeinsame geschichte, nicht sehr ruehmlich ... aber wir sollten dazu stehen ... und daraus lernen ...

gecko
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Beitragvon Sebastian » 14.05.2006, 12:31

Gecko, es wäre schön, wenn es dazu käme. Meine Frage zielte aber eher auf die innerkirchliche Kommunikation zu solchen Themen, insbesondere was für ein Bild wir (NAK) den Kindern von unserer Kirche zeichnen. Sicherlich wäre es fortschrittlich seine gemeinsame Vergangenheit aufzuarbeiten. Da sollte man dann auch nicht stehenbleiben. Nur stellt sich mir jedoch die Frage, wie wir dies nach innen vertreten würden.
Sebastian
 

Beitragvon König und Herold » 14.05.2006, 14:23

Hallo Sebastian,

zum Problem Angst in der NAK möchte ich mich später noch einmal äußern.

Persönliche Frage an Dich :


Wie klärst Du denn Dein Kind oder Deine Kinder über die NAK-Geschichte auf ?

Was ist überhaupt Deine Motivation, Dich dafür einzusetzen, dass die NAK-Geschichte transparent gemacht wird ?

Gruß nach Hamburg

KuH
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Beitragvon Kontrabass » 14.05.2006, 15:00

Lieber Sebastian, liebe Fories,

sicher eine interessante Frage, die hier aufgeworfen wird.

Aber was soll das bringen (so ähnlich hat ja auch KuH schon gefragt) :?:

Kinder im Alter von 10-14 Jahren haben, nach der von mir gemachten Erfahrung, an Kirchengeschichte kaum oder gar kein Interesse. Dies stellt man auch dadurch fest, dass Band 3 des Religionsunterrichts durchweg bei den Kindern auf wenig Aufmerksamkeit stößt. Da haben die Kinder an den Geschichten aus dem alten und neuen Testament (Band 1 + 2) viel mehr Interesse und Mitarbeit gezeigt.

Das soll jedoch nicht heissen, dass die von Dir, Sebastian, angesprochenen Themen wie z.B. die "Bischoff-Botschaft"unter den Teppich gekehrt werden sollten. Aber ich glaube das "Klientel", dass sich für die NAK-Geschichte interessiert, scheint wohl doch etwas älter zu sein.

Ich würde es begrüßen, wenn Jugendseminare oder Gemeindeabende angeboten werden würden, die sich mit der NAK-Vergangenheit beschäftigen. Da könnte man dann, Offenheit und Ehrlichkeit vorausgesetzt, über die Vergangenheit reden und den ein oder anderen Fehler, der da gemacht wurde, "verarbeiten".

Ich hoffe doch sehr, dass sich die KL dazu durchringen kann, gerade solche Themen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Aus Fehlern kann man ja bekanntlich lernen. Ausserdem führen sie zu mehr Offenheit und Ehrlichkeit im Bezug auf die eigene Kirchengeschichte.

Ob die Kinder des Reli- und Konfiunterrichts das aber wollen - ich glaube eher nicht !

Liebe Grüsse
Kontrabass
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Beitragvon König und Herold » 14.05.2006, 15:06

Hallo Sebastian,

meine Frage nach der Erziehung Deiner Kinder finde ich wirklich etwas zu privat ( ob Du nun keine oder 10 Kinder hast ). Ich bitte Dich für meine Frage um Entschuldigung.

Trotzdem interessiert mich Deine Grundmotivation und Dein Bestreben, Transparenz zu erzeugen für Kinder, Jugendliche und allgemein für das allgemeine Fuß- und Kirchenvolk, bezüglich der NAK-Kirchengeschichte.

Die NAk hat doch keine ERINNERUNGSKULTUR.

Ich freue mich über dein Engagement und wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Bemühungen. Füpr mich fällt aber immer noch diese Problematik in den Kompetenzbereich des Historikers und Apostels Walter Drave.

KuH
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Beitragvon Sebastian » 14.05.2006, 15:29

Meine Frage ergab sich daraus, ob man mit den Kindern auch über unsere Vergangenheit ehrlich sein sollte. Lieber Kontrabass, von solchen Gesprächstunden habe ich noch nie etwas gehört. :? Ist eine gute Idee. Ein Aspekt der Offenheit ist doch sicherlich der, dass man zu selbstkritik bereit ist.

Was ist dabei eine kritische Betrachtungweise unserer Vergangenheit in den Unterricht einzubauen?: "Hört zu Kinder, dieses und jenes Verhalten unserer Kirche in der Vergangenheit war falsch. Damals hat man Dieses und Jenes behauptet/getan. Wir sehen heute, dass Dieses und Jenes ein Fehler war."

Was bringt es? Aufklärung und Transparenz, nicht nur für Aussenstehende sondern auch für uns. Was meint ihr? Wäre es nicht ein Schritt zu mehr Vertrauen, wenn man von seiner Kirche über die damaligen Misstände informiert wird, anstatt es in Büchern zu lesen die dann, wenn Fragen auftauchen, keine Antworten geben?
Sebastian
 

Beitragvon Sebastian » 14.05.2006, 15:36

Hallo KuH :) ,

ich hoffe ich konnte deine Frage beantworten. s.o.
Vielleicht noch diese Ergänzung: Wenn man nach Aussen hin offen sein will, kann man nach Innen nicht verklemmt sein. Das meint

S.
Sebastian
 

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