Bei Pfelgekindern Versiegelung sinnvoll?

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Beitragvon mkoch » 03.06.2005, 09:28

Zwischenruf hat geschrieben:Da hast du soziologisch völlig recht, nur: Demjenigen, der sich über den Gruppenzwang hinwegsetzt und aus dem SC Kleinkleckersbach austritt, wird nicht versucht einzureden, dass er damit seine Ewige Herrlichkeit verspielt. Das ist bei aller Vergleichbarkeit doch ein Unterschied!


Gut, jede Gemeinschaft hat eben ihre Argumente und ihren Daseinszweck.

Du gehst in den Sportclub, weil du eben sportliche Gemeinschaft haben willst. Willst du da raus, dann sagt man dir: "Du wirst niemehr Fussballspielen, du bist total unsportlich, dein Bauch wird bald über den Gürtel hängen etc."

Du gehst in eine Kirche um in die Ewige Herrlichkeit zu kommen. Willst du da raus, dann sagt man dir: "Aber dann kommst du nicht in die Ewige Herrlichkeit etc." - Ist das nicht irgendwie logisch?

Es gibt natürlich noch den Fall, in die jeweilige Gruppierung "hineingeboren" worden zu sein und sich nie selbst mit den entsprechden Gruppenzielen identifiziert zu haben. Wenn dir dann jemand in der gleichen Situation vorhält, dass du bei einem Verlassen der Gruppe eben jene Ziele nicht mehr erreichst, dann fällt es natürlich schwer, diesen Vorwurf nachzuvollziehen. Nach meiner Erfahrung tragen dann entsprechende Vorwürfe eher noch zur Bestärkung bei. - Das hab ich zumindest mal bei einem Klassenkammeraden erlebt, den die Eltern in den Judoclub gesteckt haben. - Als der das dort alles Quatsch fand und raus wollte, da haben sie ihm auch gesagt: "Du wirst dann aber nie Kreisklassen-Meister etc." Das hat ihm dann noch deutlicher gemacht, dass er da schnellstens raus muss.
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Beitragvon Gaby » 03.06.2005, 09:38

Lieber Michael,

>>Es gibt natürlich noch den Fall, in die jeweilige Gruppierung "hineingeboren" worden zu sein und sich nie selbst mit den entsprechden Gruppenzielen identifiziert zu haben.<<

was wenn man sich aber doch mit den Zielen identifiziert hat?

Warum sollte 17einhalb ihren Pflegesohn versiegeln lassen, wenn nicht deshalb, weil sie sich mit dem Gruppenziel identifiziert hat?

Was würde denn sein, wenn sie ihren Pflegesohn nicht hätte taufen und versiegeln lassen?

Wäre das Verhältnis von NAK und Pflegesohn ein anderes gewesen?

Hätte das Kind nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen?

Wäre es als Nicht-Mitglied vom Religionsunterricht ausgeschlossen worden?

Hätte es an einigen Gemeindeaktivitäten nicht teilnehmen dürfen?

Versiegelt nur, um dazuzugehören, kein Außenseiter zu sein?

Fragende Grüße

Gaby
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Beitragvon mkoch » 03.06.2005, 09:59

Liebe Gaby,

Gaby hat geschrieben:was wenn man sich aber doch mit den Zielen identifiziert hat?


Dann fällt der Abgang schwer. Man wird bestrebt sein, eine Alternative für das Verlorene zu finden.

Warum sollte 17einhalb ihren Pflegesohn versiegeln lassen, wenn nicht deshalb, weil sie sich mit dem Gruppenziel identifiziert hat?


Äh? Davon gehe ich aus.

Was würde denn sein, wenn sie ihren Pflegesohn nicht hätte taufen und versiegeln lassen?
Wäre das Verhältnis von NAK und Pflegesohn ein anderes gewesen?
Hätte das Kind nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen?
Wäre es als Nicht-Mitglied vom Religionsunterricht ausgeschlossen worden?
Hätte es an einigen Gemeindeaktivitäten nicht teilnehmen dürfen?
Versiegelt nur, um dazuzugehören, kein Außenseiter zu sein?


Es ist sicherlich richtig, dass man in den beiden großen Kirchen leichter an deren Angeboten (Abendmahl, Religionsunterricht, Gemeindeaktivitäten) teilnehmen kann, ohne formell Mitglied zu sein. Dafür ist aber der Zusammenhalt nicht unbedingt so stark. - Als Erwachsener würde ich mir dann da auch irgendwie komisch vorkommen, mich quasi um das Bezahlen zu drücken und nur zu konsumieren.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass du gefragt wirst, ob dein Kind getauft oder versiegelt ist, wenn du mit ihm zum Abendmahl gehst oder an Gemeindeaktivitäten mit ihm teilnimmst. Mir ist das zumindest mit meinem Sohn noch nicht passiert.

Warum sollte ich aber wollen, dass mein Sohn regelmäßig an den Kirchenangeboten teilnimmt, wenn ich nicht zu den grundlegenden Sakramenten stehe?

michael grüßt
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Beitragvon Gaby » 03.06.2005, 10:12

Michael, es geht mir nicht um das leibliche Kind, es geht hier immer noch um ein Pflegekind.

>>Als Erwachsener würde ich mir dann da auch irgendwie komisch vorkommen, mich quasi um das Bezahlen zu drücken und nur zu konsumieren.<<

Es geht immer noch um das Pflegekind, wenn es sich im Zuge der Religionsmündigkeit dazu entschließt neuapostolisch konfirmiert zu werden, ist das nicht früh genug?

>>Warum sollte ich aber wollen, dass mein Sohn regelmäßig an den Kirchenangeboten teilnimmt, wenn ich nicht zu den grundlegenden Sakramenten stehe?<<

Die Frage bleibt, wenn der Pflegesohn mit Kirche irgendwann nichts mehr am Hut hat, wie die Pflegeeltern dann reagieren (gerade wenn sie sich mit dem Gruppenziel identifizieren)?

Liebe Grüße

Gaby
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Beitragvon Cemper » 03.06.2005, 10:40

@ ZWISCHENRUF
Zwischenruf hat geschrieben:@michl:
Das ist aber auch bei Sportvereinen so; wenn die halbe Familie im SC Kleckersbach ist, die Männer kicken, die Frauen waschen die Hemden, dann kommst du da auch nicht so einfach raus, wenn du keinen Bock mehr auf Fussball hast; ist ja auch normal, weil gerade kleine Gruppen extrem (psychisch) destabilisiert werden, wenn jemand "aussteigt".

Da hast du soziologisch völlig recht, nur: Demjenigen, der sich über den Gruppenzwang hinwegsetzt und aus dem SC Kleinkleckersbach austritt, wird nicht versucht einzureden, dass er damit seine Ewige Herrlichkeit verspielt. Das ist bei aller Vergleichbarkeit doch ein Unterschied!

Ihr „Nur-Einwand“ betreffend Verlust der Ewigen Herrlichkeit ist richtig. Nur: Koch hat doch selber gesagt, dass manche NAK-Argumente fies sind: „... wenden hier auch fiese ‚geistliche’ Argumente an.“

Ich war vor zwei, drei Monaten in einem NAK-Abendgottesdienst. Abgesehen vom deutlich erkennbaren System der sozialen Kontrolle: Die Menschen waren freundlich und nett und die Predigt eines Ältesten war auch so und so freundlich ... nur: Tenor: „Der Weg des Heils ist im Apostelamt. Viele wollen auf anderen Wege zu Gott kommen. Aber der Weg des Heils ist im Apostelamt gelegt. Das war in der Urkirche so und es ist so vor dem heimholenden Wiederkommen des Herrn. Wer diesen Weg verlässt, wird das Ziel, zu dem dieser Weg führt - die ewige Herrlichkeit bei Gott unserem Vater - nicht erreichen.“ So ungefähr wörtlich. Die Liedertexte passten dazu. Ich hatte den Eindruck, dass es unter den GD-Besuchern keinen Zweifel an diesem Glaubensverständnis gab; ich hatte eher den Eindruck, dass die etwas schläfrig wirkende Gemeinde - PENG - richtig aufgewacht wäre, wenn der Prediger gesagt hätte: „Wir glauben an Gott - er ist unsere Hilfe. Seine Hilfe bietet er hier an und an vielen anderen Orten. Gott kann uns überall begegnen. Unser Nächster - wo immer wir sind - kann ein Bote Gottes sein. Und auch wir können solche Boten sein. Wann sind wir es?“

Lachen oder grinsen Sie jetzt bitte nicht: Kath. und ev. Dogmatik sind schwer verständlich. Man kann sie nicht mit neuap. Dogmatik vergleichen. Aber neuap. Dogmatik bzw. neuap. Dogmatismus - der sich in Warnungen vor dem Verlust der Ewigen Herrlichkeit zeigt - ist auch schwer verständlich. Andererseits ist mir ein in der NAK zu findender Relativismus auch nicht einsichtig. Ich meine, dass ich ihn - diesen Relativismus - besonders bei neuap. Christen finde, die sich für progressiv, für theologisch interessiert und ökumenisch engagiert halten. Die als konservativ oder betonkopfig geltenden neuap. Christen haben klare Positionen. Sie sind biblisch-theologisch nicht immer gut begründet und klingen schon mal wie: Friss oder stirb. Glauben oder Tod. Unbedeutend ist, ob vielleicht mancher stirbt, weil er sich überfressen oder überglaubt hat. Die neuap. Aussagen sind eben in ihrer Unklarheit klar - hier weiß man, was man glaubt und nicht fragen sollte. Bei den anderen - den progressiven neuap. Menschen - verstehe ich, dass sie reflektierender an die Themen herangehen wollen und Begründungen suchen. Schauen Sie sich z.B. Bedenkenträgers Rahner-Rezeptionen an und seine Versuche, die Exklusivität dadurch zu bewahren, dass er sie aufgibt. Schauen Sie sich die ernsten Ironien und Nachfragen des Protestanten an. Schauen Sie sich die Wünsche von Randnotiz an den Kirchenpräsidenten Dr. Leber an. Ich kann jedem Wunsch nur zustimmen - aber ich frage: Was passiert denn nach der Bescherung? Ist dann der Advent vorbei?

Also: Ist die Verlust-Drohung absurd? Wo ist der Weg des Heils? Oder hätte ich fragen müssen: Wo sind die Wege des Heils?

Liebe Pflegeeltern - Ihrem Pflegekind ist das alles egal. Ihm sind andere Dinge wichtig - und das ist auch richtig.


@ KOCH
mkoch hat geschrieben:Warum sollte ich aber wollen, dass mein Sohn regelmäßig an den Kirchenangeboten teilnimmt, wenn ich nicht zu den grundlegenden Sakramenten stehe?

Ein Grund könnte die Unklarheit neuap. Sakramentenlehre sein.
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Beitragvon 42 » 03.06.2005, 11:00

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass du gefragt wirst, ob dein Kind getauft oder versiegelt ist, wenn du mit ihm zum Abendmahl gehst oder an Gemeindeaktivitäten mit ihm teilnimmst. Mir ist das zumindest mit meinem Sohn noch nicht passiert.

Ganz einfach: weil Dein Kind in der Mitgliederkartei ist (nehme ich der Einfacheit halber an). Ein Blick genuegt.
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Beitragvon Zwischenruf » 03.06.2005, 11:14

@ cemper

Ich weiss nicht, ob die Verlust-Drohung absurd ist. Ich sehe nur, welche z.T. verheerende tiefenpsychologische Prozesse sie auf dem Gewissen hat. Die Berichte darüber können Sie quer im ganzen Forum einsammeln, z.B. hier:
http://www.glaubenskultur.de/phpbb/view ... &start=247

Ja, wo ist der Weg des Heils - oder - wo sind die Wege des Heils. Ist er nur in einer Kirche zu finden, und wenn ja, in der NAK oder woanders? Oder geht es ein bisschen nach dem Motto, viele Wege führen nach Rom. Ich weiss es nicht, lieber Cemper, und deshalb bin ich auch seit Jahren Mitleser und neuerdings Schreiberling in diesem Forum. Diese Ungewissheit auszuhalten, ist in der Gemeinschaft einfacher. Mit der Heimatgemeinde geht das oft nicht; siehe Ihr oben geschildertes Gottesdienst-"Erleben".

LG, Z.
Auch und gerade in dem , was uns aufgrund unserer tiefsten Glaubensüberzeugung voneinander unterscheidet, müssen wir uns gegenseitig respektieren und lieben. (Papst Benedikt XVI.)
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Beitragvon mkoch » 03.06.2005, 11:20

42 hat geschrieben:Ganz einfach: weil Dein Kind in der Mitgliederkartei ist (nehme ich der Einfacheit halber an). Ein Blick genuegt.


Ich meine den Fall, wenn ich mit ihm in eine andere Gemeinde komme.
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Beitragvon Cemper » 03.06.2005, 19:00

@ Liebe 17 1/2

Ich wollte den PC abstellen - und dabei sah ich sie online. Nur drei Sätze::

Die von Ihnen angeregte kleine Diskussion ist wohl zu großen Teilen an Ihren Wünschen und Ihrer Freude und vielleicht auch an Ihren Sorgen vorbeigelaufen - sehen Sie es allen und auch mir nach. Die hier eingebrachten Fragen und Gedanken sind auch wichtig. Viel wichtiger ist aber, dass es ihrem Pflegekind gut ergeht - und dass wünschen Ihnen wohl ALLE.

Herzliche Grüße an Sie und alle guten Wünsche.
Und jetzt kann ich abschalten.

C.
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Abschlussgedanken

Beitragvon 17einhalb » 04.06.2005, 22:55

Lieber Cemper!

Es tat gut, Ihre Worte zu lesen. Schön, dass es doch noch jemanden gibt, der sich an das eigentliche Anliegen errinnert.
Nun gut, es ist für mich auch kein Beinbruch, wenn dieses Thema nicht wirklich interessiert. Aber ich habe doch einige schöne Reaktionen bekommen und kann aber verstehen, wenn sich immer neue Gedanken entwickeln, die auch durchaus überlegenswert sind.
Ich kann mir nur einfach nicht vorstellen, dass es so wenig Pflegeeltern gibt und hatte eben gehofft, den einen oder anderen zu kontaktieren.

Nochmal zu meiner eigentlichen Frage:
"Sollte ein Kind einer nicht- oder andersgläubigen Herkunftsfamilie in eine andersgläubige (hier neuapostolisch) Pflegefamilie gegeben werden?
Das Pflegekind wird ja automatisch in diesem Glauben erzogen!"

Natürlich haben wir uns damit, bevor wir den Schritt als Pflegeeltern taten, mit diesem Thema intensiv beschäftigt! Ich wollte nur mal ein paar Gedanken und Meinungen diesbezüglich hören. Und mann muss bedenken, dass man gerade bei einer Pflegschaft immer flexibel auf die jeweilige Situation reagieren muss.
Wir sind uns auf jeden Fall sicher, die richtige Entscheidung (die vor allem auch von der Herkunftsmutter mit getragen wird)getroffen zu haben .
Unser Bezirksapostel wies bei der Versiegelung ganz deutlich auf das Hinführen zu Gott und seine Liebe hin. Ich durfte in diesem Moment eine unsägliche Wärme empfinden - meinem Pflegekind und Gott gegenüber.
Falls sich einmal Situationen ergeben und wir unseren Schatz nicht mehr direkt bei uns haben dürfen, so bleibt es immer unser (Pflege)kind, sowohl im natürlichen, wie auch im geistigen. Wir würden alles daran setzten, den Kontakt zu halten, denn wir könnten nicht anders. Da er aber schon die Hälfte seines Lebens bei uns ist, ist es eben auch seeeehr unwahrscheinlich, dass es dazu kommen würde.

In Liebe 17einhalb
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