Erziehung - Was sagt die Bibel ?

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

Beitragvon Uhu-Uli » 31.05.2005, 13:10

Liebe Gaby

ich glaube auch, dass Achtung und Liebe -insbesondere heute- die Beziehung zwischen Eltern und Kind bestimmt.

Inwieweit das früher anders war, z.b. im Judentum oder Mittelalter und ob die Bibel zur Rechtfertigung für Schläge herangezogen wurde, das würde mich interessieren.

Auf der anderen Seite frage ich mich, welche Werte bietet mir die Bibel, die auch heute Grundlage für das Gelingen des Familien-Miteinanders geben können ?

Es ist ja auch ein Stück weit beruhigend, das die Geschichten der Bibel auch die Kehrseite des Familienglücks kennt, so kann man sich dort auch in Krisen widerfinden ...

Wenn man mal genauer hinschaut ... "der Verlorene Sohn" ; "Abrabam verstößt die seine Zweitfrau Hagar und den gemeinsamen Sohn Ismael ";
Joseph wird von seinen Brüder verkauft", "Mose wird ausgesetzt, erschlägt einen Menschen, zerschlägt in einem Wutanfall die Gesetzestafeln .."

hm ... was könnte man daraus ableiten, dass Gott uns viele Dinge tuen läßt damit wir auch aus unseren Fehlern lernen können ?

schön finde ich wie Hüsch es sagt:
Gott sitzt in einem Kirschenbaum und ruft die Jahreszeiten weiter aus
Er träumt mit uns den alten Traum vom großen Menschen aus
Wir sind die Kinder die er liebt
Mit denen er von Ewigkeit zu Ewigkeit das Leben und das Sterben übt
Er setzt auf uns
Er hofft auf uns
Daß wir uns einmischen
Daß wir seine Revolution der Liebe verkünden
Von Haus zu Haus an die Türen nageln
Heiß in die Köpfe reden
In die Herzen versenken
Bis die Seele wieder ein Instrument der Zärtlichkeit wird
Und die Zärtlichkeit musiziert und triumphiert
Und die Zukunft leuchtet.


Alles Liebe
Uli
Uhu-Uli
 

Erziehung

Beitragvon johnnelsonjun » 31.05.2005, 16:25

Hallo Ui,

zum Thema Kindererziehung hat mich die Familiengeschicte von Abraham - Isaak - Jakob sehr beeindruckt. Wenn man die geschichte sorgfältig liest und die handlungsweisen der einzelnen Personen untersucht, so wird sehr deutlich, wie wichtig das Thema VORBILD (vorleben und dann entsprechend lehren) ist. Viele negative/positive Handlungsweisen von Abraham ziehen sich bis in die Lebensnetwicklungen der 12 Söhne Jakobs hinein. Es lohnt schon, nur einmal unter dem Stichwort "Lüge" die Entwicklung dieer Lebensbilder zu untersuchen.
Dr. Henrie Rossier stellt in seinem kleinen Büchlein "Jakob - vom Überlister zum Anbeter" (eine Zusammenstellung von schon recht alten, aber sehr inhaltsreichen Vorträgen von 1898/99, erschienen im Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt/W.) dieses Thema Vorbild und Nachahmung immer wieder heraus.

Ein Buch von dem Nicht-NAk-Freunde (Eltern von vier Kindern) kürzlich begeistert berichteten ist "Tedd Tripp: Eltern - Hirten der Herzen -Biblisch orientierte Erziehung" (ISBN
3-935-18826-9).

Soweit dazu einige kurze Gedanken.

Herzlichen Dank für Deinen Gruß und ebenfalls liebe Grüße,

JNj. :wink:
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Beitragvon Gaby » 01.06.2005, 12:13

Liebe Uli,

>>Inwieweit das früher anders war, z.b. im Judentum oder Mittelalter und ob die Bibel zur Rechtfertigung für Schläge herangezogen wurde, das würde mich interessieren.<<

also ich habe einmal eine Baptisten-Internetseite entdeckt, in der Eltern WIRKLICH dazu aufgefordert wurden, ihre Kids auch körperlich zu züchtigen, wenn nichts anderes mehr fruchtet.

Ich konnte es seinerzeit gar nicht fassen (ist wohl so ca. 2 Jahre her), dass es heutzutage noch Christen gibt, die die Züchtigung wirklich biblisch begründen. (denn es wurden einige Bibelstellen zur Rechtfertigung angeführt)

Für mich sind Schläge ein Armutszeugnis. Denn letztlich bezeugen sie Hilflosigkeit bei der Erziehung der Kinder.

Wir haben es auch ohne Schläge geschafft unsere Kinder lebenstüchtig in die Welt zu entlassen, obwohl ich es aus meinem Elternhaus auch anders erlebt habe.

Aber gerade deshalb habe ich mir geschworen meine Kinder anders zu erziehen.

Ob ich meine Kinder ohne den christlichen Glauben anders erzogen hätte, glaube ich eher nicht.

Denn nicht nur Christen haben Wertvorstellungen und letztlich sind auch Nicht-Christen in unserm christlichen Abendland aufgewachsen und sind von daher von Haus aus christlich geprägt, ob sie das nun wahr haben wollen oder nicht.
Jedes Land wird von ihrer Religion geprägt.

Liebe Grüße

Gaby
Denn in alledem liegt der Anfang des Reiches Gottes, das entstehen soll an der Stelle, an der du stehst. Nicht irgendwo, sondern in dir selbst. (Jörg Zink)
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Beitragvon sonnja » 01.06.2005, 18:33

Interessantes Thema ...

ich glaube nicht, dass im alten Judentum die Bibel als Begründung für autoritäre Erziehungsmethoden herhalten musste. Das war einfach so.

Ich nenne es mal "die Auswüchse einer patriarchalischen Gesellschaft".
Frauen und Kinder hatten zu funktionieren. Und das erreicht man eben am besten mit Gewalt. Psychisch oder physisch.

Und dann kam Jesus. Und sagte: Über allem steht ein Gebot. Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.
Er lies die Kinder "zu sich kommen". Das verstehe ich so, dass er sie -entgegen der Norm- annahm, sie wahrnahm als vollwertige Menschen. Er gab ihnen eine eigene Würde und behandelte sie nicht als unfertige -unvollkommene- Erwachsene.

Dies ist die Botschaft des Chrsitentums in Bezug auf die Kindererziehung.

An dieser Stelle möchte ich nochmal die "Theologie" der Annahme" zitieren, wie sie Dr. Moltmann-Wendel am Samstag formulierte:

"Wirkliche Anerkennung versucht Menschen in ihrer Ganzheit zu verstehen und ihnen Selbstliebe zu vermitteln"
und
"Am Anfang des Lebens steht Gottes Liebe, die uns gesegnet hat mit einem Potential an Fähigkeiten."

Der Hirnforscher Prof.Dr. Gerald Hüther bekräftigte das für mich, in einer AUssage, die er als "entscheidende Fragen" in der Kindererziehung bezeichnete:

"Wer ist das Kind? Was will es? Wo will es hin? Mit welchen Mitteln will es sein Ziel erreichen? Wer spricht mit ihm?"

Der Anspruch sein Kind so anzunehmen, wie es ist und fördern zu wollen, ohne es zu verbiegen, ist sehr hoch.
Denn wir können unsere Kinder ja nur so lieben, "wie uns selbst".

Wenn ich mich nicht so annehmen kann, wie ich bin, wird mir das auch nicht bei meinen Kindern gelingen. Wenn ich mich am liebsten wegen meiner Unzulänglichkeiten schlagen würde, würde ich das auch gerne bei meinen Kindern tun.

Andererseits ist es auch entlastend. Es soll keine "Verpflichtung", den anderen zu lieben geben. Es soll nicht zur funktionalisierten Liebe werden, sie kommt ganz aus dem Inneren, aus uns selbst. Mehr als uns können wir den anderen nicht lieben.

Elisabeth Moltmann-Wendel rief zu Mut auf, die Bibel anders zu lesen. Eine heilende therapeutische Sprache zu entdecken. Und da fasziniert mich Anselm Grün immer wieder, der biblische Ereignisse von Seiten beleuchtet, die ich nie gesehen hätte.

Sonja
So wie Dein Gott ist, so bist auch Du!
(Prof.Dr. Joachim Track, 30. evangelischer Kirchentag in Hannover)
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Beitragvon maranatha » 29.08.2006, 17:39

Ja shalom,
wieder zurück aus dem Urlaub, ich dachte erst sei waren nakintern auf Friedensmission, aber macht nichts. Nachdem der Hund von Cemper auch wieder aufgetaucht ist, seien Sie uns willkommen, bleiben Sie gesund und bleiben Sie uns gewogen! Und na-amtlicher Schutzengeldienst sei ihnen befohlen!
LG
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Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs zu mir selbst, zu den Menschen, zu dir.
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Beitragvon Hütchen » 29.08.2006, 18:46

Liebe Gaby,
nicht nur in Migrantenfamilien aus Rußland ist die körperliche Züchtigung üblich, wie Du schreibst:
"ich habe einmal eine Baptisten-Internetseite entdeckt, in der Eltern WIRKLICH dazu aufgefordert wurden, ihre Kids auch körperlich zu züchtigen".
Auch Muslime schlagen ihre Kinder, was dazu führt, dass staatlich lizensierte Erzieher vom Kindergarten bis zum Schulabschluß oft von den Zöglingen als Schwächlinge eingestuft werden, die nicht körperlich gegen deviantes Verhalten einschreiten (können), sie sind ähnliche Lachnummern wie Polizeibeamte, zahnlose Papiertiger.
Ich halte natürlich nichts von Züchtigung, nicht bei meinen eigenen Kindern, bei beruflich Schutzbefohlenen ist es sowieso verboten.
Baptisten und Muslime schöpfen zweifellos aus dem alten Testament, jedenfalls hat es so gehört, das
Hütchen.
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Beitragvon Andy » 30.08.2006, 06:22

Baptisten und Muslime schöpfen zweifellos aus dem alten Testament, jedenfalls hat es so gehört, das
Hütchen.


Hallo Hütchen,

Muslime schöpfen wohl eher aus dem Koran :).
Bezüglich dem Alten Testament möchte ich anfügen: Da gibt es in Sprüche dieses Wort von der "Rute":

Sprüche 13,24: "Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten."

Das ist natürlich krass. Ich habe kürzlich mal in einem Vortrag gehört, daß dieses Wort "Rute" besser mit "Hirtenstab" übersetzt werden kann. Somit kann dieses Wort im Urtext wohl eine ganz andere Bedeutung haben. Es heißt nicht, man solle die Kinder schlagen, sondern sie "mit dem Hirtenstab" erziehen, weiden, und sicher ihnen manchmal auch die Grenzen aufzeigen, die Kinder brauchen (aber nicht, indem man sie schlägt...).

LG
Andreas
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Beitragvon Andy » 30.08.2006, 10:09

Andreas Winkler hat geschrieben:
Baptisten und Muslime schöpfen zweifellos aus dem alten Testament, jedenfalls hat es so gehört, das
Hütchen.


Hallo Hütchen,

Muslime schöpfen wohl eher aus dem Koran :).
Bezüglich dem Alten Testament möchte ich anfügen: Da gibt es dieses Wort in Sprüche, das auch im Eröffnungsbeitrag erwähnt wurde:

Sprüche 13,24: "Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten."

Das ist natürlich krass. Ich habe kürzlich mal in einem Vortrag gehört, daß dieses Wort "Rute" besser mit "Hirtenstab" übersetzt werden kann. Somit kann dieses Wort im Urtext wohl eine ganz andere Bedeutung haben. Es heißt nicht, man solle die Kinder schlagen, sondern sie "mit dem Hirtenstab" erziehen, weiden, und sicher ihnen manchmal auch die Grenzen aufzeigen, die Kinder brauchen (aber nicht, indem man sie schlägt...).

LG
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