Jugendarbeit 2. Teil

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

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Beitragvon Uli » 06.08.2004, 06:12

@Klaus:<br><br>Lieber Klaus,<br><br>sicher, ich glaube schon, dass die Amis auf dem Mond waren, ich glaube aber auch, dass ihre Motivation nicht rein naturwissenschaftlicher Art war, dass die Naturwissenschaft nicht einmal primär eine Rolle spielt, sonden nationale, machtpolitische Interessen; aber wie Du ja sagst, jedes Beispiel hinkt - wobei wir wieder bei der Krücke sind...<br><br>Ein Glaube, der auf eine repressive religiöse Erziehung gründet, auf die gezielte Bindung an eine Institution hin arbeitet, so wie wir das am Beispiel (nicht nur) der NAK feststellen müssen, wo sich der kirchliche Führungsanspruch bis in die intimsten Bereiche der menschlichen Individuen erstreckt, autoritär und unreflektiert, begründet auf ein wörtliches Bibelverständnis, einer "Exegese" die nicht im geringsten sich um den von Cemper aufgezeigten theoretischen Rahmen kümmert, bezeichne ich nicht mehr als hilfreiche Krücke, sondern als eine Machtausübung von Menschen über Menschen auf der Grundlage einer höchst fragwürdigen Legitimation. Der anerzogene Angstglaube ("Mensch, Uli, wie soll da deine Ehe noch funktionieren, wenn Du nicht mehr in die Kirche gehst?" [O-Ton eines Gemeindevorstehers und persönlichen Freundes]; "...wer seine Zeit nicht in den Dienst des Herrn [sprich: in den Dienst der NAK] stellt, wer nicht treu ist im Opfer, der wird alles verlieren: Gesundheit, Arbeit, Familie, letztlich das Leben, das irdische als auch das ewige!" [sinngemäss Bez.Ap. Saur in einem Ämtergottesdienst in den 80ern], usw., usw.), der viele Menschen trotz sichtbaren und fühlbaren Widersprüchen, trotz Unwohlsein und Widerwille an die Institution bindet, vergleiche ich durchaus mit einer künstlich erzeugten "Sturzgefahr", gegen die dann schliesslich eine "Gehhilfe" eingesetzt werden muss. Ich habe es schon erwähnt, Drohgebärden wurden im Konfirmationsgottesdienst in diesem Jahr inhaltlich vergleichbar mit jenen vermittelt, die ich schon als Konfirmant vor Jahrzehnten hinnehmen musste, da hat sich gerade die Verpackung marginal etwas verändert, sonst aber nichts!<br><br>Damit wir uns da aber recht verstehen, ich unterstelle den meisten Amtsbrüdern vor Ort, dass diese in bester Absicht handeln, dass aber ihre religiöse Erziehung eine adäquate Reflexion nicht zulässt, was nichts mit Dummheit zu tun hat ...hmm, ich "psychologisiere" wohl schon wieder. Wenn ich aber einigen Verantwortungsträgern in den oberen Etagen bewusste Irreführung unterstelle, dann schöpfe ich dazu nicht aus dem "hohlen Bauch", sondern stütze mich auf Fakten, die ich zur Kenntnis nehmen musste.<br><br>Glauben, ganz allgemein gesprochen, ist, aus den genannten Gründen, zu verstehen und zu tolerieren. Damit ist aber nicht gesagt, dass das Glaubenssystem des traditionellen Christentums eine hilfreiche Krücke zur gesunden Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und Kultur darstellt. Es gibt "schlagende" Argumente dagegen, auch auf wissenschaftlicher Basis - und das hat nun alles wirklich nichts mit Verschwörungstheorien zu tun...<br><br>Grüße<br>Uli
Uli
 

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Beitragvon Uli » 06.08.2004, 06:38

@Cemper:<br><br>Lieber Cemper,<br><br>der Umgang mit traditionellen Bräuchen, insbesondere wenn es um religiöse Bräuche innerhalb des Kirchenjahres geht, die Frage, ob und wie ich diese mit Kindern und Jugendlichen begehe, wie ich diese den jungen Menschen nahebringe, hat durchaus etwas mit Kinder- und Jugendarbeit zu tun, so glaube ich jedenfalls, insofern ist mein Wissen aber doch wohl auch nur ein Glauben.<br><br>Was ich aber ganz sicher weiss, dass sich der neuapostolische Stammapostel im Rahmen eines Gottesdienstes sehr arrogant und diskriminierend zu der Arbeit solcher Autoren geäussert hat und ganz konkret meinte: "...wir wollen das nicht!", die Sie Gabi empfohlen haben, doch das nur nebenbei bemerkt...<br><br>Grüße<br>Uli
Uli
 

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Beitragvon Uli » 06.08.2004, 07:01

@Cemper:<br><br>Lieber Cemper,<br><br>das Thema "Pädagogik" liegt mir nach wie vor am Herzen (meine Frau ist als Erzieherin berufstätig, immer ein aktuelles Thema in meinem Hause...). Allerdings werde ich für ca. 3 Wochen meine Teilnahme in diesem Forum unterbrechen, um mich ganz meiner Familie und anderen wichtigen Dingen des Lebens zu widmen. Auch andere Teilnehmer des Forums, deren Beiträge ich schätze, befinden sich oder gehen in ihre wohlverdiente Freizeit. Deshalb schlage ich vor, dass wir zu gegebener Zeit einen neuen Diskussionsfaden eröffnen, ich werde dann versuchen, meine Gedanken zu ihrer Frage zu formulieren. Bis dahin wünsche ich ihnen und allen Forumsteilnehmern weiterhin angeregte Diskussion - und bleiben sie gesund!<br><br>Grüße<br>Uli
Uli
 

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Beitragvon Cemper » 06.08.2004, 07:22

@ Uli<br><br>Zu Ihrem Beitrag für Klaus:<br><br>Ihren hier eingebrachten Argumenten kann ich unbeschadet dieser oder jener Differenz in Einzelheiten folgen und zustimmen. Allerdings kenne ich die neuap. Wirklichkeit nicht so genau wie Sie und rede/schreibe insofern am eher grünen Tisch; aufgrund diverser Beobachtungen kann ich aber sagen, dass ich den Eindruck habe, dass ich Ihnen folgen kann. <br><br>Ich möchte aber auch hier wieder auf einen Punkt hinweisen: Wenn ich in irgendeiner weltlichen oder geistlichen Angelegenheit ein Ideal konstruiere und dann die Wirklichkeit an diesem Ideal messe und feststelle, dass sie - die Wirklichkeit - dem Ideal nicht entspricht, dann muss ich nach den Gründen der Differenz fragen - und dabei wird sehr schnell klar werden, dass die Wirklichkeit immer hinter dem Ideal herhinkt. Hinter Ihrer Argumentation (hier und auch in früheren Beiträgen) sehe ich etwas von diesem Mechanismus. Es ist wie mit den Enttäuschungen eines Menschen. Grund dieser Enttäuschungen ist ja fast immer, dass jemand zu hohe Erwartungen hatte (sich etwas Ideales vorgestellt hat) und nun in seinen Erwartungen enttäuscht wird - er hat sich sozusagen „verlaufen“ und muss nun seinen Weg (seine Erwartungen) korrigieren. Also: Keine so hohen Ideale und weniger Enttäuschungen über die Realität. Oder noch anders: Wenn man Mitglied dieser Kirche ist, muss man dazu beitragen, dass sie so ist, wie wie man sich diese Kirche wünscht. Die Kirche besteht ja schließlich aus den Mitgliedern - sie sind die Kirche. Eine Kirche im baulichen und organisatorisch/rechtlichen Sinne ist ohne die Mitglieder nichts anderes als ein Organisationsplan plus Grundstücke und Gebäude.<br><br>Im Falle der Neuap. Kirche scheint es aber das Problem zu geben, dass ein sehr hohes - kaum zu steigerndes - und kaum zu erreichendes Ideal zu ihrem Selbstverständnis und Anspruch gehört. Mitgliedschaft heißt dann auch Akzeptanz dieses Super-Ideals. Wenn dann aber dieser institutionelle Anspruch zum (legitimen) Maßstab einer Beurteilung gemacht wird und Differenzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit erkennbar werden, scheinen Kirchenvertreter und viele Mitglieder darauf nicht mit einer Relativierung ihres Ideals zu reagieren, sondern mit Kritik derjenigen, die nach Differenzen fragen. Davon gibt es aber - soweit ich es beobachten konnte - auch Ausnahmen. Ich habe viele Internetseiten gesehen, die dies erkennen lassen. Aber es sind wohl Ausnahmen. Außerdem scheint es ein Phänomen zu geben, dass ich schon mal „Joker-Argument“ genannt habe. Die Kirche hält sich für gut, und wenn etwas objektiv nicht gut ist oder schief läuft, wird gerade der Umstand, dass es so ist, zu einem Beweis für die Richtigkeit des Anspruchs und der Lehre. Beispielsweise ist die Einheit ein großes Ideal - und wenn es zu Spaltungen kommt, wird gesagt, dass durch eben diese Spaltung die Einheit größer wird: man kommt sozusagen dem Ideal näher und sieht die Berechtigung des Exklusivanspruchs und der Naherwartung (oder so ähnlich) bestätigt. Oder: Ein Gebet soll „erhört“ werden. Wenn dann alles „anders läuft“, ist die Nichterhörung noch besser als die Erhörung. Gottes Wille soll ja schließlich „geschehen“! Ich meine diesen letzten Punkt (Gebet) übrigens nicht spöttisch; es ist ein Punkt, wo ich sagen würde, dass ich hier auch nicht weiter weiß ...<br><br><br>Zu den anderen Punkten also später. Gott segne Sie - was halten Sie davon?<br><br>C.
Ob ich gläubig bin? Das weiß nur Gott allein.
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Beitragvon Uli » 06.08.2004, 08:13

Lieber Cemper,<br><br>in "meiner" Kirche wird "Segen" allgemein mit "Vermehrung" übersetzt, "Vermehrung" von allem was es zu segnen gilt, die "Liebe Gottes", der "Bund eines guten Gewissens mit Gott" beispielsweise, aber auch ganz profaner Wohlstand, als "Fettigkeit der Erde" umschrieben, deren "Vermehrung" Jungvermählten gerne mit auf den Weg gegeben wird.<br><br>Eigentlich bedeutet aber Segen wohl ursprünglich "Rückbindung" - im christlichen Kontext: "Rückbindung" an das Kreuz Christi, also an das versöhnende Opfer Christi; im weiteren Sinne die "Rückbindung" an die "frohe Botschaft" - an das "Evangelium Christi".<br><br>Den Wunsch aus ihrem Munde, lieber Cemper, und nun hoffe ich, dass ich ihre Beiträge aufmerksam genug gelesen habe und Sie recht interpretiere, auch ihre Toleranz meinem Standpunkt gegenüber berücksichtigend, möchte ich im Sinne von "Rückbindung" an die von ihnen in der Diskussion mit unserem Bedenkenträger erwähnte "Hoffnung" verstehen, die letztlich als "frohe Botschaft" bezeichnet werden kann, und in diesem Sinne halt ich von ihrem Wunsche so viel, dass ich diesen gerne und dankend entgegen nehme.<br><br>Ihre Ausführungen zu meinem Beitrag an Klaus, insbesondere ihre Bemerkungen zu den Enttäuschungen der Menschen, angesichts der Erkenntnis des realen Verhältnisses zwischen Ideal und Wirklichkeit, enthalten interessante Aspekte zu dem noch offenen Thema der (Religions-)Pädagogik, auch im Hinblick auf die Thesen der von mir erwähnten Autorin Alice Miller, aber wie gesagt, dazu dann später mehr...<br><br>Grüße<br>Uli
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Beitragvon Anne » 06.08.2004, 08:27

@ <br>Im Falle der Neuap. Kirche scheint es aber das Problem zu geben, dass ein sehr hohes - kaum zu steigerndes - und kaum zu erreichendes Ideal zu ihrem Selbstverständnis und Anspruch gehört. Mitgliedschaft heißt dann auch Akzeptanz dieses Super-Ideals.
<br><br>Lieber Cemper, <br><br>dieses Ideal besteht m.E. nur aus einem: Dass der Mensch annehme, dass hier, also in der NAK, durch die Apostel und in den Aposteln der Geist Gottes in besonderer ( einmaliger ? ) Weise wirksam ist.<br><br>Gruß ! <br><br>Anne
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

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Beitragvon Klaus » 06.08.2004, 10:45

Lieber Uli,<br><br>deine nochmals fundiert vorgetragene Kritik im ersten Abschnitt deines Replies an mich teile ich - wie du ja weißt - ohne Abstriche. Auch aus meiner Sicht verhält es sich genauso wir du es beschrieben hast. Jedoch gebe ich zu bedenken, dass das System NAK als Organisationsform Kirche eben nicht alles ist, was die NAK ausmacht. Aus christlicher Sicht sind die Mitglieder der NAK "Kirche", oder besser, ein Teil davon. <br><br>Aus MEINER Warte funktioniert AUCH in der NAK christliche Kirche in ihrem originären Sinn. Dieses Empfinden mag daran liegen, dass ich auch als Kind und Jugendlicher "meine" Kirche nie als den allein seligmachenden Hort gesehen und empfunden habe, auch wenn mir dies von allen mir damals nahestehenden Menschen so angetragenwurde. Mir ging es da wie Cemper mit seinen Religionslehrern. Sicher spielt auch die nur moderat neuap. Erziehung, die mir meine Eltern angedeihen liesen, eine Rolle, dass die NAK nicht zum bestimmenden Faktor in meinem Leben wurde. Jedoch auch meine Freunde, die sehr streng neuap. erzogen wurden, wurden dadurch augenscheinlich nicht psychisch krank. Manche haben die Kirche später verlassen, wie mein Bruder, manche sind geblieben, aber alle leben soweit ich es überblicken kann, ein an ihrer Psyche unversehrtes Leben. <br><br>Lieber Uli, ich denke, die überwiegende Mehrheit der neuap. Gläubigen kann sehr wohl genau bestimmen, bis wohin sie den Einfluss ihrer Kirchenobereren zulassen. Der überbordende Rest an versuchter Einflussnahme wird einfach ignoriert. Das "kirchliche Leben" spielt sich auf einer anderen, darunterliegenden Ebene ab. Da unterscheiden sich die neuap. Gläubigen nur wenig von ihren kath. oder. ev. "Brüdern und Schwestern". Auch der Papst hat auf seine Schäfchen weniger Einfluss, als man gemeinhin annimmt.<br><br>So wie ich es überblicken kann, funktioniert auch die Seelsorge innerhalb der NAK besser als in den kritischen Foren ständig dargestellt wird, obwohl, oder vielleicht gerade, weil sie hauptsächlich von Laien ausgeübt wird. Krankenbetreuung und Sterbebegleitung (habe ich dreimal über mehrere Monate miterlebt) stehen oftmals professionellen Seelsorgern in nichts nach. Natürlich gibt es Ausnahmen, Menschen die einfach überfordert sind, aber das ist nicht die Regel. <br><br>Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Die NAK mag sein wie sie ist, aber als Kirche im eigentlichen Sinn erfüllt sie ihrer Aufgabe nicht minder gut oder schlecht als die Großkirchen. Dass sie trotzdem zu kritisieren ist, aus den von dir angeführten Gründen (und einiger mehr) steht außer Frage. <br><br>[Glauben, ganz allgemein gesprochen, ist, aus den genannten Gründen, zu verstehen und zu tolerieren. Damit ist aber nicht gesagt, dass das Glaubenssystem des traditionellen Christentums eine hilfreiche Krücke zur gesunden Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und Kultur darstellt. Es gibt "schlagende" Argumente dagegen, auch auf wissenschaftlicher Basis - und das hat nun alles wirklich nichts mit Verschwörungstheorien zu tun...]<br><br>Du hast recht, es gibt schlagende Argumente dagegen, aber es gibt aus meiner Sicht mehr, die selbst ein so ungenügendes System rechtfertigen. Der wichtigste ist, dass der Mensch ohne Glauben, sich einen anderen "Götzen" sucht, dem er "huldigen" kann. Einen nennt die Bibel z.B. Mammon. Warst nicht du es, der die modernen Oligarchen und Oligarchien deswegen angeklagt hat? Uli, ich könnte dir noch einige Dutzend weitere solcher Götter nennen, aber ich hör deine Einwände schon kommen, derart, dass die Kirchen ja selbst Teil dieser Oligarchien seien und ähnliches mehr. Ich weiß nur eins, lieber Freund, Christen sind nicht weniger Humanisten wie alle Humanisten. Und aus welchem Beweggrund jemand Humanist ist, ist nicht von Belang.
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Beitragvon Uli » 06.08.2004, 11:28

@Klaus:<br><br>Lieber Klaus,<br><br>unsere Reibungspunkte gründen wohl in den unterschiedlichen Auffassungen über die Auswirkungen der Schieflagen, die ich kritisch beleuchte, und den Aspekten, die Du als eine ausreichende Rechtfertigung betrachtest um (auch die NAK als) Kirche zu verteidigen. Provokativ und zugegebenermassen verkürzt dargestellt: Du rechtfertigst u.a. mit bestimmten seelsorgischen Leistungen die Machtausübung von Menschen über Menschen in der Kirche.<br><br>Eine wichtige Frage meinerseits wäre, ob es wirklich so undenkbar erscheint, die sicher wertvollen sozialen Leistungen, die von Laien unter dem Dach der Institution Kirche erbracht werden, nicht auf einem Wege zu erbringen, meinetwegen institutionell organisiert, ohne die von mir genannten Nachteile einzukaufen, jene Nachteile, die aus meiner Sicht verharmlost werden. Letzteres Argument, die Verharmlosung, wäre vor allem mit Hilfe der (Entwicklungs-)Psychologie zu erklären (aber auch auf dem Gebiet sind wir ja nur Laien). Allerdings ergibt sich aus der Verharmlosung ein relatives Unverständnis gerade gegen die Einsprüche seitens der Psychologie - daher der Vorwurf der Psychologisierung ( = Überbewertung der psychologischen Aspekte). Ich denke aber, dass im Verlaufe der Pädagogik-Diskussion diese Gedanken noch vertieft werden...<br><br>Grüße<br>Uli
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Beitragvon Klaus » 06.08.2004, 12:45

Lieber Uli,<br><br>[Du rechtfertigst u.a. mit bestimmten seelsorgischen Leistungen die Machtausübung von Menschen über Menschen in der Kirche.]<br><br>Nein, so kann ich das nicht stehen lassen. Ich behaupte, dass der Nutzen von Religionsausübung, welche der heutige Christ noch immer mit der Zugehörigkeit zur Organisation Kirche gleichsetzt (es gibt da wohl einen Wandel) selbst innerhalb einer so autoritären Gemeinschaft wie der der NAK, höher zu bewerten ist als vermeintliche Schäden an der Psyche einzelner Gläubiger. Es gibt hier auch für mich Grenzen, keine Frage, aber die liegen wohl höher als deine. Die Gründe dafür liegen mit Sicherheit in der Unterschiedlichkeit unserer Lebensläufe und in der Tatsache begründet, dass es einfach auch Unterschiede in den Gemeinden und Bezirken der NAK gab und offensichtlich auch heute noch gibt. Die Sorge vor psychologischer Beeinflussung oder bewusster Machtausübung über mich und andere war deshalb auch nicht maßgeblich für meinen Ausstieg, obwohl ich mir durchaus der Gefahr bewusst war. <br><br>Die Leistungen auf dem Gebiet der Sozialfürsorge wären sicher auch im Rahmen anderer Institutionen oder vielleicht sogar im Rahmen von gelebter "Nachbarschaftshilfe" zu erbringen, aber du vergisst dabei den Faktor der Motivation, der erst zur Erbringung der Leistung führt. Ein Punkt, der m.E. in deiner Abneigungn gegen das Christentum völlig ins Hintertreffen geraten ist. <br><br>Du hast mich gestern gefragt, was denn das spez. Christliche am Christentum sei. Ich gab dir zur Antwort: Jesus von Nazareth. Warum? Weil es diesem Menschen offensichtlich gelungen ist, etwas an seine Zeitgenossen zu bringen, was als Gedanke sicherlich nicht neu war, aber in seiner Art der Vermittlung wohl einmalig war, nämlich folgende Bilder in die Herzen von Menschen zu brennen und dort auch lebendig zu halten: <br><br>Ich zitiere ein Satz von Jesus aus seinem Gleichnis vom verlorenen Sohn:<br><br>"Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn."<br><br>Und noch ein weiterer Satz, diesmal aus dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter:<br><br>"Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 3und er ging zu ihm, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn." <br><br>Allein schon in diesen beiden Sätzen hängt das Christliche im Christentum! Das Leid jammert Gott und deshalb soll es auch den Menschen gleichermaßen jammern! Das ist die Motivation von der ich spreche und das ist die Motivation all jener Menschen, die in Kirche und Welt, weil der Glaube ihnen ein Bedürfnis ist, all die sozialen Leistungen erbringen, welche niemals in gleichem Maß nur aus Vernunftsgründen erbracht werden würden.
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Beitragvon Uli » 06.08.2004, 12:57

@Lieber Klaus,<br><br>jetzt leider ganz kurz nur noch, ich bin gleich weg, gehe heute abend noch aus, tanzen...<br><br>Ich habe ein anderes Menschenbild, sehe die Wurzeln echten Mitgefühls woanders, nicht (ausschliesslich) etwa in der "Bergpredigt" -> Thema Pädagogik (und Entwicklungs-Psychologie). Ich sehe auch die jesuanische Ethik nicht als eine exklusive, originäre, aber das sage ich ja auch nicht zum ersten Mal.<br><br>Bis bald...<br>:)<br><br>Uli
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Beitragvon Klaus » 06.08.2004, 13:10

Lieber Uli,<br><br>auch ich muss los. Nur soviel, ich habe gerade nicht behauptet, dass die jesuanische Ethik originär ist, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie durch den christlichen Glauben im Zuge des Bedürfnisses nach Religion Einzug in "die Herzen" vieler Menschen gefunden hat. Nicht die Herkunft einer Ethik zählt, sondern dass sie praktiziert wird!
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Beitragvon old_armin » 06.08.2004, 13:22

Viel Spaß beim Tanzen, lieber Uli.<br>Geht ihr zu Fritz? Da laufen doch derzeit freitags die Ferienparties für Paare, oder?<br><br>Grüße von armin :)
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Beitragvon Liebesgruß » 11.08.2004, 07:44

Hallo an alle,<br>leider habe ich nicht alle Beiträge zu diesem Thema aus Zeitgründen lesen können. Weder zu Teil 1, noch zu Teil 2. Aber so richtig verstanden habe ich manche Beiträge nicht. Ich habe den Eindruck, dass die wenigsten wissen, wie es heute in den Jugendstunden wirklich zugeht. Meistens werden hier leider nur Vermutungen geäußert. Die Realität sieht oftmals anders aus. Natürlich ist es in den Gemeinden verschieden. Aber es hat etwas mit dem wirklichen Leben zu tun. Wie lautet doch der Spruch? "Eine gute Kneipe steht und fällt mit dem Wirt". So ist das auch in den Jugendstunden. eine gute Jugendarbeit steht und fällt mit dem Jugendleiter! Nur sind diese sehr, sehr unterschiedlich. Halt wie im richtigen Leben.<br>Das, was in dem neuen Jugendkonzept stehen wird, machen wir seit fast zehn Jahren bei uns in der Gemeinde. Nichts Neues. Wir bieten nicht nur Glaubenshilfe an, sondern auch Lebenshilfe. Wir veranstalten Workshops zu einzelnen Themen. Wir brechen Glaubensthemen auf das tägliche Leben herunter. Will meinen: was bedeutet die Aussage in der Bibel denn für mein persönliches Leben? Wie setze ich das um? Da wird von uns Jugendleitern nichts vorgegeben, sondern wir bilden Kleingruppen, erarbeitn es dort, diskutieren und stellen die Arbeit hinterher dem Plenum der andern Jugendlichen vor. Dann kann jeder seine Meinung dazu sagen. Es wird nichts, aber auch gar nichts, was in den Jugendstunden besprochen wurde, nach außen getragen. Das wissen die Jugendlichen und sind daher sehr offen.<br>Es gibt Jugendstunden, in denen wird nur diskutiert. Sehr kontrovers, aber auf gutem Niveau. Wir veranstalten jedes Jahr Jugenfreizeiten. Jede ist anders. Vom 1wöchigen Segeltörn in Holland (stärkt die Geminschaft), über Freizeiten mit Renn - Gocarts, Kletterwänden, Golfkursen, etc.<br>Also, ihr Lieben, in einzelnen Geminden wird heute einiges getan. Wir feiern auch zusammen Feten, wir machen Kreativkurse in Kunst, wir veranstalten auch Börsenspiele und legen Kleinstbeträge an. Die Sieger bekommen dann auch reelle Werte. Wir führen Theaterstücke auf.<br><br>Also, liebe Fories, nicht alles nur schwarzsehen. Einfach mal in die unterschiedlichen Gemeinden schauen und sehen, was wird wirklich gemacht. Vermutungen helfen selten weiter. <br>Euer Liebesgruß
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Beitragvon Liebesgruß » 11.08.2004, 08:19

Moin,<br>ich muss mich noch einmal zu diesem Thema melden.<br>Zitat:<br><br>"Was ist mit den Jugendlichen, die gerne kommen würden, aber aufgrund der geographischen Lage ihres Wohnortes keine Möglichkeit haben, die Angebote der "NAK-Jugend" zu besuchen?<br><br>Was ist mit den Gemeinschaftsuchenden unter 14 und über 30?<br><br>Wo bleiben die Schüchternen? Die, die nicht erzogen sind, Eigeninitiative zu ergreifen? (Auch hier kann ich DIr, Uli nur zustimmen, dass das ein hausgemachtes NAK-Problem ist.)<br><br>Wo bleiben die, die nicht in die Kirche kommen?<br><br>Wo bleibt die Berührung mit dem Leben, dem wirklichen Leben?<br><br>Wo bleibt die Auseinandersetzung mit den Andersdenkenden?"<br><br>Jeder, aber wirklich jeder, der in die Jugendtunde zu uns kommen möchte, ist herzlich willkommen. Und wenn jemand, durch die geographische Lage nicht kommen kann, er aber den Wunsch hat, so wird er abgeholt. Natürlich im normalen Rahmen. Nicht 50 oder mehr Kilometer.<br><br>Wo bleiben die Schüchternen? Wir versuchen auch solchen, die schüchtern sind, die Schüchternheit zu nehmen. Sie werden aktiv in die Kleingruppen eingegliedert. Sie haben dort die Möglichkeit zu lernen, Schüchternheit zu verlieren und sich einzubringen.<br><br>Wo bleiben die, die nicht in die Kirche kommen? Leider haben wir da kaum Möglichkeiten, etwas zu ändern. Ich halte es für falsch, solchen Geschwistern auf den Füßen zu stehen und sich anzubiedern. Einmal im Jahr bekommen sie Post von mir. Ich erzähle ihnen dann, was wir so im vergangenen Jahr gemacht haben und biete mich als Gesprächspartner bei Bedarf an. Mit Telefonnummer und e-Mail Anschrift. Wer will, kann das wahrnehmen. Es liegt an jedem selbst.<br><br>Wo bleibt die Berührung mit dem wirklichen Leben? Siehe meinen Beitrag von eben.<br><br>Wo bleibt die Berührung mit Andersdenkenden? Unser Jugendgruppe hat Kontakt aufgenommen mit zwei Pfarrern der beiden großen Konfessionen. Wir reden miteinander. Wir diskutieren über unseren Glauben. Wir versuchen Horizonte zu öffnen. Damit auch die Jugend merkt: andere Christen sind ebenfalls gläubig. Wir haben Achtung voreinander zu haben.<br><br>Euer Liebesgruß
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