Pg Jugendpflege

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

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Beitragvon Knut_Knutsen » 05.08.2004, 10:06

@ schnoogele<br>Oh, ich wollte nicht den Eindruck erwecken, daß in unserem Jugendkreis alles eitler Sonnenschein ist und wir die rosarote Brille aufhaben. :o<br><br>Nein, gerade im letzten Jahr hatten wir Zeiten zu durchleben, die ich keiner anderen Jugendgruppe wünsche. Aber einer meiner Mitjugendbetreuer sagte damals schon: "Laßt es uns als Chance auffassen. Wenn wir das positiv durchstehen, gehen wir gestärkt daraus hervor!" Und er hat Recht behalten!<br><br>Vielleicht kommen wir ja mal zum ursprünglichen Thema zurück?!? <br><br>Hoffend, grüßt<br>KNUT
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Beitragvon Schnoogele » 05.08.2004, 10:19

@Knut<br>wollte nur den Diskussionsstil Martinas kommentieren
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Beitragvon Protestant » 05.08.2004, 11:13

Werter shalom,<br><br>vielen Dank für das "Sprudeln nach dem Anstich". Es wird Sie kaum wundern, dass ich diese Absicht inzistierte...<br><br>Ich hoffe, dass Ihr "offline-Dasein" nur auf Grund von "ganzheitlicher Erholung" o.ä. entstehen wird und nicht länger als 2-7 Wochen dauert.<br><br>Alles andere wäre für mich nur "sehr schwer" zu akzeptieren.<br><br>Ein aufrichtiges "Offline-shalom" oder "Urlaubs-shalom"<br><br><br>Ihr "auch kurz pausierender" Protestant
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst Euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

(Galater 5.1)
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Beitragvon orig.gabi » 06.08.2004, 11:58

gelöscht
Zuletzt geändert von orig.gabi am 02.09.2004, 12:24, insgesamt 1-mal geändert.
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe ist,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
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Beitragvon Protestant » 31.08.2004, 13:05

Werter shalom,

ich bin außerordentlich erfreut, Sie nach Ihrem Urlaub wieder "lesen" zu können.

Ich bin z.Zt. ein sog. "NAK-Jugendpfleger" und möchte gerne auf Ihre Fragestellungen aus meiner Sicht etwas ausführlicher eingehen. Habe aber leider im Moment wenig Zeit und werde dies in den nächsten Tagen nachholen.

Ich hoffe, dass Sie solange noch "ausharren" können, falls nicht ein anderer "Kollege" vorab in die Bresche springen sollte.


Liebe Grüße vom Protestanten
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Beitragvon Knut_Knutsen » 31.08.2004, 13:36

Hier schreibt ein weiterer NAK-Jugendpfleger, der sich aber so nicht nennt, sondern eher Jugendbetreuer.

Auch ich kann momentan leider nicht auf alle Fragen eingehen, da ich in einer "Prüfungssituation" stecke, aber auf eine Frage will ich antworten.

Meiner Meinung nach ist es nicht schädlich, sich immer mal wieder mit dem Sinn und dem Inhalt der 10 Gebote auseinander zu setzen. Jeder von uns kann sicher zustimmen, daß Wiederholung eines Themas dazu führt, den Inhalt immer besser parat zu haben. Daraus kann sich dann der Sinn des Wiederholten einem immer besser verständlich machen. Dieses führt dazu, daß man das Erlernte auch anwenden kann.

Kommen wir nun zu dem Sinn der Zehn Gebote. Nehmen wir dazu noch die Zusammenfassung von Jesu hinzu, könnten wir ein wahrhaft christlich geprägtes Leben führen. Warum tun wir das aber nicht? Eine mögliche Antwort wäre, weil wir die Gebote noch nicht genügend in uns verinnerlicht haben. Wenn dem so ist, dann kann eine Wiederholung bestimmt nicht schaden.

Tut mir leid, ich habe das Gefühl, du hast dich so ein wenig auf die 10 Gebote eingeschossen.
Kannst du mir erklären und darlegen, was daran schlimm ist, oder schädlich ist? Oder willst du vielleicht suggerieren, daß wir die Jugendlichen für Dumm und Doof halten, so daß man ihnen gebetsmühlenartig immer wieder die Gebote darlegen muß?! Wenn dem so ist, muß ich dich enttäuschen. Es erweitert enorm den eigenen Horizont, sich mit Jugendlichen über Themen des Glaubens und der Religion auszutauschen und zu unterhalten. Da werden Erkenntnisse offenbar, die ich als Jugenbetreuer so bisher noch nicht gesehen habe. Wie gesagt, es bildet ungemein.

Die restlichen Fragen probiere ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt zu beantworten.

Lieben Gruß
KNUT KNUTSEN
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Beitragvon orig.gabi » 01.09.2004, 11:14

Hallo Shalom,
bitte erlauben sie mir eine (zynische?) Antwort bezüglich Ihre Frage nach der Begründung für die systematischen Ungleichbehandlung der in wohlbenden/nichtwohlhabenden Gegenden lebenden Kirchenlämmer.

Nun, in erstere wird viel investiert, weil sich diese Investitionen häufig im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen (werden).
Letztere dagegen verursachen Kosten.Bei ihnen ist nix zu holen und das ist der Kirche zweifellos wichtig. :(

Daher pflegt, m.E. die Org.NAK auch (noch)so liebevoll ihre Alten.Mal sehen was wird, wenn in einigen Jahren Minirenten an der Tagesordnung sind und vielen alten Gotteskindern kaum mehr etwas zum opfern bleibt...

Vieleicht gründet man dann Seniorengruppen nur für Pensionäre, denn deren Alterssaläre werden mit großer Wahrscheinlichkeit sicher und berechenbar bleiben... :roll:

LG Gabi
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Beitragvon orig.gabi » 02.09.2004, 12:07

@ Shalom,

Ihr "SOLA FIDE" erweckt spontan in mir einen weiteren Gedanken.

Mit der Bedeutung des "sola fide" sozusagen, wird innerhalb der NAK gerne argumentiert, wenn man nachfragt, wo denn das soziale Angagement dieser "einzig wahren" (und wohlhabenden) Kirche Christi bleibt, wo denn die tätige Nächstenliebe und Barmherzigkeit, die ja ein sehr wichtiger Bestandteil der Jesu-Lehre ist.

Wenn es aber um die Zuwendungen des einzelnen Gemeindemitgliedes gegenüber der Org.Nak geht, um reale Opfer und Werke auf dem schmalen Weg der NAK-Nachfolge,dann ist nix mehr mit "sola fide". 8)

Da verwandelt sich der "liebe Gott" auf wundersame Weise in eine geschäftstüchtige Krämerseele, die ganz genau Buch führt über alle "guten Werke" jedes
Einzelnen- zu Gunsten der NAK. :roll:

SOLA FIDE- einzig durch den Glauben, intern gilt das nicht.

MfG Gabi
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Beitragvon orig.gabi » 02.09.2004, 17:00

@ Shalom,

"SOLA FIDE".Vor langer Zeit habe ich gelernt, auf diesem Grundsatz beruhe die Rechtfertigungslehre des Martin Luther, die da besagt, der Sünder werde einzig durch seinen Glauben, nicht aber durch gute Werke gerettet. 8)

Und dies scheint man in der NAK differenziert zu betrachten, je nach Zweckmäßigkeit. :lol:
Wobei man natürlich bedenken muß, dass Luther nicht maßgeblich für die NAK-Lehre ist.

MfG Gabi
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Beitragvon Anne » 06.09.2004, 16:37

Werter shalom,

ein Montag ist kein guter Tag, um Fragen zu stellen. :wink:

Da stehen sowieso viele kopf und wird es schwer, einen klaren Standpunkt einzunehmen. :shock:

Zum Beispiel dazu, ob es nicht ein Fortschritt ist, dass Frauen in der Jugendarbeit mitarbeiten sollen, oder ob man Ihrem Einwurf folgt:

"Auf, ihr enthusiastischen NaK - Hilfsjugendpflegerinnen und NaK - Jugendleiterpraktikantinnen ... !" :mrgreen:

Grinsiger Grinsegruß von

Anne
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Luk. 18,27

Jahreslosung 2009
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Beitragvon Randnotiz » 06.09.2004, 17:10

Anne hat geschrieben:Da stehen sowieso viele kopf und wird es schwer, einen klaren Standpunkt einzunehmen. :shock:


Anne, wer auf dem Kopf steht, hat einen klaren Standpunkt:
Mit beiden Beinen fest in der Luft.

Es strampelt sich dann auch gleich viel leichter... :mrgreen:
Nur wer die Fakten kennt, kann sie verdrehen.

(Natural Born Kieler)
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"Nachdenkliches" zur Jugendarbeit

Beitragvon Protestant » 07.10.2004, 15:03

Werter shalom,

nachdem ich mir nun unendlich viel Zeit gelassen habe, mein Versprechen bzgl. eines Statements zu diesem Thema einzulösen (was meinem momentan verfügbaren Zeitvolumen geschuldet ist und nicht einer oft durchaus angebrachten "Sprachlosigkeit" bei dieser! NAK), möchte ich einmal etwas tiefer, sofern es in diesem Medium geht, einfach über meine eigenen Wahrnehmungen und daraus resultierende Empfindungen bzgl. der seelsorgerischen Arbeit mit Jugendlichen "brainstormen".

Dazu mußte ich zuvor erst einmal "nach-denken".

Der beamtete NAK-Jugendpfleger soll ja eigentlich "Vor-Denker" sein.

Und damit fängt das Dilemma schon an.

Um Jugend pflegen zu können, resp. seelsorgerisch zu betreuen, muß ich nahe an ihr "dran sein", ihre Sprache sprechen können, sie zumindest verstehen und gleichzeitig mit dem Leben um mich herum nicht "in Fehde" liegen, Zeiterscheinungen richtig einordnen und absolut am Präsens orientiert sein.

Denn nichts irritiert Jugendliche mehr, als eine stringente Ausrichtung auf ein imaginäres, ewig dauerndes "Etwas" ab dem "Tage X", was auch nur dann erreicht werden kann, wenn von Menschen erstellte Sonderregeln eingehalten werden, vorgeschaltet den jesuanischen Bedingungen für Leben und Weiterleben eines jeden Menschen, oder gar sie ersetzend.

Die Irritation wird dann noch verstärkt, wenn der Jugendliche feststellt, dass in der Glaubensgemeinschaft, in der er sich bewegt, die zentralen christliche Werte, wie Nächstenliebe, Vergebungsbereitschaft, Barmherzigkeit und Dienen, weder von der Mehrheit des „göttlichen Bodenpersonals“, noch von der Mehrheit seiner „Glaubensgeschwister“ im Zentrum der Lehre und vor allem des Handelns stehen.

Dieses Ganze hat nichts, aber auch gar nichts mit fehlendem Glauben an Gott und Jesus Christus zu tun und schon überhaupt nichts mit dem Negieren der trostreichen Zusage „uns Wohnungen zu bereiten“.

Junge Menschen haben ihr Leben noch vor sich und wollen es auch noch vor sich haben, jeden Tag Neues entdecken, Erfahrungen sammeln ihr Wissen erweitern und ihre Empfindungswelt vergrößern. Dabei stoßen sie zwingend immer wieder an Grenzen und überschreiten diese auch, öffnen Türe zu Neuem und stürmen mit großem Enthusiasmus hinein, verirren sich auch mal und sind dann sehr dankbar, wenn sie Orientierung erhalten, ohne sich unvermittelt auf Anklagebänken wiederzufinden, oder nach gesellschaftlichen resp. kirchlich-gemeindlichen Schnellgerichtsverfahren sogar in abgedunkelter Einzelhaft zeitlich unbegrenzt schmoren zu müssen.

Gesunde junge Menschen in der Kraft ihrer gesamten Entwicklung haben ein Gespür für Natürlichkeit und somit einen Entscheidungssinn für "Göttliches" und "Menschliches". Das wußte schon Jesus (...wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, ...).

Ausnahmen und damit Fehlentwicklungen entstehen dann, wenn in frühkindlichem Stadium Fehlleitungen, Indoktrination und Wertemanipulation diese Menschen ständig begleiten und damit nachhaltig beeinflussen.

Ich belasse es bei den o.a. Ausführungen, die wissenschaftlicher, ausführlicher, genauer und damit auch besser in einschlägigen Büchern und Schriften nachzulesen sind, die in ihrer Gesamtzahl sicher mehrere Bibliotheken füllen.

Ich denke auch nicht, dass die Jugendpflege in der NAK unbedingt ein weiteres "Neues-Rad-Erfindungsprogramm" braucht. Sie sollte eigentlich auch überhaupt nicht anders funktionieren als nach der Maxime: „ wie erreiche ich den jungen Menschen, kann ihm eine Stütze in seiner gesamten Entwicklung sein und diene ihm jesuanisches Wesen ins Herz ?“

Und dies ist definitiv keine neuapostolische Erfindung!

Aber wie es halt so ist in unseren heutigen Zeiten: eine neue Frage / ein neuer Komplex / die Entdeckung einer neuen „Teilgruppe“ > eine neue NAK-Projektgruppe (etwas konträr zu Ihrer Signatur, werter shalom, ich hoffe aber auf "shalom absolvo"...).

Dabei wäre es und ist es eigentlich so einfach: wie schon beim "idealen Amtsträger" von Ihnen vollkommen richtig charakterisiert > Jürgen Manger alias Freund Tegtmeier > "Mensch bleiben" resp. "Mensch sein".

Um aber „Mensch sein“ zu können, muß ich den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen und Handlungen stellen. Da kein Mensch dem anderen gleicht und dem lieben Gott es ein Leichtes gewesen wäre, alle genau gleich zu erschaffen, er es aber so nicht getan hat, gilt es, das „Individuum Mensch“, den Einzelnen halt in den Mittelpunkt zu stellen, den, den „Er bei seinem Namen gerufen hat“.

Schauen wir uns das überlieferte Leben Jesu in den Evangelien an, erkennen wir ganz genau diese Handlungsweise Jesu, die uns bei allem Tun, insbesondere auch und gerade in unserer Kirche, in unserer NAK, in allen Funktionen und Aufgaben absolute und unverrückbare Leitlinie sein muß. Den Menschen als Individuum, in seiner speziellen Ausprägung, auch und gerade als Sünder so zu nehmen, wie er ist; ihm zu dienen, ihn zu lieben, ihn in Barmherzigkeit zu kleiden und ihm unsere ganze Vergebungsbereitschaft zu schenken.

Und was passiert statt dessen in unserer NAK ???

In vielen Fällen das gerade Gegenteil. Anstatt der individuellen Seelsorge alles zu unterwerfen, die eigentliche Chance der NAK in der westlichen Kirchenlandschaft eine wirkliche Daseinsberechtigung zu erwerben, Stück für Stück wahrzunehmen, wandelt sie sich, sicher aus der Sektenecke zwischenzeitlich heraus, zur Amtskirche im schlechtesten Sinne mit Erstellen von Regelwerken über Projektgruppen „dass die Schwarte kracht“. Und das finde ich ja schon an jeder zweiten Straßenecke bei anderen Konfessionen und dort sicher oft noch eine ganze Spur professioneller und auch besser.

Die „Kirchenmänner“, die noch versuchen wirklich auf jedes „Geschwist“ zuzugehen, um für diese dazusein und sich um sie wirklich zu sorgen, werden von der Regelungsflut geradezu weggeschwemmt. Und die, die noch einen Ast erwischt haben, um sich daran festzuhalten, bekommen diesen innerhalb der unseligen Ämterkaskaden von den besonders „Eifrigen“ abgesägt und die „Stomlinienförmigen“ reißen sie in der Regelungsflut mit.

Zu Tode kommen letztlich alle, nur jeder auf eine andere Weise.

Kann das wirklich gewollt sein ???

Viele unserer „Führungsamtsträger“ arbeiten innerhalb ihrer kirchlichen Aufgabe nur noch wie ein mehr oder weniger gut funktionierender Vereinsvorstand; von tiefer Verbundenheit mit den Anvertrauten kann nicht mehr die Rede sein. Das liegt zum einen an unzähligen „Veranstaltungen“ die vor allem Gemeinde- und Bezirksübergreifend unendlich viel Zeit binden (Seminare diverser Art, Besprechungen der verschiedenen Beauftragten unzähliger Art, massenhaft sog. "besondere GD’s“ für die Teilgruppen in der NAK angefangen bei den Kindern, über Senioren, Lehrkräfte, bis hin zu Putzgruppen und „Altarschmückern“) und die Führungs-AT’s sind immer dabei. (Vorsteher, Bezirksämter, etc.).

Zum anderen sind in solche Aufgaben in den letzten Jahrzehnten in weit überwiegendem Maße nur „Linientreue“ und „Kritikscheue“ berufen worden, die zum Teil diese seelsorgerischen Defizite in ihrer Amtsführung verspüren, aber sich keine Kritik zu äußern trauen. Größtenteils sind sie sogar, bewußt und unbewußt, durch all die o.g. Entwicklungen blind und taub geworden für die Nöte und Sorgen ihrer Anvertrauten und dem tatsächlichen Status der Gemeinden und Bezirke.

Ich bin jetzt unvermittelt in eine Exkursion über den „Allgemeinzustand“ geraten, von dem der Arzt nach eingehender Untersuchung sagen würde: „wenn Sie so weiter leben, gebe ich Ihnen noch allerhöchstens 5 Jahre!“. Ich merke, wie ich viele Dinge nur angerissen habe, über die man einzeln jeweils intensiv mehrere Seiten referieren könnte. Ich denke aber, dass jeder hier aus seiner Erfahrung den „Faden weiterspinnen kann“.

Was hat das alles mit Jugendarbeit und Jugendpflege zu tun?

Nun, das alles erleben „unsere“ Jugendliche auch, empfinden die Diskrepanzen zwischen gepredigtem Anspruch und gelebter Wirklichkeit, fühlen sich, wenn die Indoktrination aus der Kindheit keine „mausgrauen Halleluja-Ziegen und –Böcke“ aus ihnen gemacht hat, unwohl und können es eigentlich noch nicht richtig zuordnen, schauen evtl. in der Bibel nach, z.B. in den Evangelien und beschäftigen sich mit den zentralen Aussagen von Jesus Christus.

Und jetzt entdecken sie auch Widersprüche zwischen dem gepredigten Wort und dem Wesen jesuanischen Lebens und Wirkens. Ihre Seelsorger daraufhin angesprochen fallen „aus alle Wolken“ und stottern sich bestenfalls zurecht, dass sie darüber mal nachdenken müßten, oder ihren Vorangänger fragen müssen. In nicht selten vorkommenden schlimmen Fällen, wird der Jugendliche „abgebügelt“ mit Statements wie „falscher Herzenseinstellung“, falschem Umgang, fehlendem Glauben und Gehorsam und bei besonders „abgebrühten“ Brüdern mit: „das kommt davon, wenn man den Verstand im Werk Gottes benutzt, der verhindert immer, dass man alles im rechten Licht sehen kann“.?!?

Jetzt bin ich „Jugendpfleger“ und sehe dies alles. Solange es in der Gemeinde noch warm und echt herzlich, verständnisvoll und integrativ zugeht, sind die Konflikte noch nicht nah. Sobald es aber in der eigenen „Zelle“ zuschlägt, wird’s heftig. Was sag ich den Jugendlichen, die kommen und in der Jugendstunde äußern: „was sollen wir machen, wir haben dass Gefühl, dass unser Vorsteher sich für uns überhaupt nicht interessiert, dass ihn auch nicht interessiert was wir machen und wie es uns geht; wenn wir mit einer Frage, oder einem Problem zu ihm kommen, haben wir das Gefühl, dass er nur „gute Ratschläge“ parat hat, die in keinster Weise unsere individuelle Situation berücksichtigen. Alltagsweisheiten eben.“

Bums, dann sitzt Du da und bist eigentlich erst mal hilflos und der Konflikt zwischen Loyalität (im rechten Sinne) und Wahrhaftigkeit hat dich voll gepackt. Nicht, dass dies alles wäre, was die jungen Geschwister dann „auspacken“, da kommt berechtigterweise noch viel mehr, auch in Richtung anderer Brüder und Geschwister, ohne Groll und aus ehrlichem und traurigem Herzen.

So könnte man noch weiter NAK-Alltag skizzieren, der hoffentlich nicht „ganz überall“ so ist. Für die Jugendpflege bleibt letztendlich nur die Wahrhaftigkeit, die Authentizität des jeweils Verantwortlichen die einzige Maxime seiner Rede und seines Handelns, wohl wissend, dass er damit (welch ein Hohn) verdammt schnell in Konflikte mit seinen „Vorangängern“ und seiner Kirche gerät, aus die er sich eigentlich nicht befreien kann.

Auch kleine „Oasen“ schaffen, wie das früher schon mal möglich war, ist leider nur noch schwer auf Dauer machbar.

Die „Stromlinienflut“ der NAK reißt früher oder später alles weg.


In geistiger Verbundenheit mit vielen, vielen Fragen

Ihr Protestant


P.S.: Bin gespannt, ob ich das Thema tatsächlich „reanimiert“ habe, wie Sie in Ihrer pn inzistierten.
Ich glaube aber eher nicht, da ich empfinde, viel zu persönlich geworden zu sein.
Gruß P.
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Beitragvon agape » 07.10.2004, 16:29

Lieber Protestant,

bin zwar nicht shalom 8), trotzdem habe ich mich gefreut, nach all den Jahren ;) mal wieder etwas von Dir zu lesen.
Ich will im Einzelnen nicht näher auf Deinen Beitrag eingehen.
Nur Eines ist für mich glasklar:
Im Grunde gibt es kein zielgruppenorientiertes Sonderproblem in der Kirche, sondern ein grundsätzliches Thema welches sich durch alle Menschen und Altersgruppen hindurch zieht, - nur in unterschiedlicher, und je nach dem speziellerer Färbung.
Die Jugend nimmt sich "wenigstens" noch das Recht, offen festzustellen, dass sich der Vorsteher in ihrer Wahrnehmung nicht *richtig* kümmert.
In welchem kirchl. Raum, ist das für Nicht-mehr-Jugendliche noch möglich?
Begnadete Jugend!

Das Problem ist nach wie vor, dass sich die inkompetente Person nicht selbst in die Funktion gebracht hat.
Dann könnte man dieser inkompetenten Person den Hut bringen.
So gesehen ärgert man sich nur über Bezirksämter und Apostel, die Menschen mit derart sensiblen Themen befasst haben.
Vorsteher zu sein ist eben kein Amt, sondern eher eine besondere Aufgabe, die besondere Qualitäten verlangt.

Liebe Grüße an den Protestanten,
agape
"2020 wird die NAK eine kleine fundamentalistische Bewegung sein."

Gerrit Sepers, Mai 2007
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Beitragvon agape » 07.10.2004, 22:09

C'est pourquoi il n'y a pas d'excuses. :shock: :mrgreen:

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"2020 wird die NAK eine kleine fundamentalistische Bewegung sein."

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