„Schlechte“ Eltern – „gute“ Eltern

Praxistipps für die Kinder- und Jugendarbeit, Reflexion und Diskussion aller relevanten Themen

„Schlechte“ Eltern – „gute“ Eltern

Beitragvon maximin » 17.12.2003, 19:07

:)Eine sehr liebevolle Mutter sagte mir mal diesen Satz:<br><br> [center]KINDER SIND WIE DURCHREISENDE, DENEN MAN DEN WEG ZEIGT[/center]<br><br>Hat mir gefallen...<br><br>Maxi:rolleyes:
Der kleine Glaube hat denselben starken Heiland wie der große Glaube...
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„Schlechte“ Eltern – „gute“ Eltern

Beitragvon Uhu-Uli » 17.12.2003, 20:01

Hallo Sonja<br><br>ich dachte dabei an das Deligieren von Fürsorge und Erziehung an eine Kinderfrau in einem Alter wo die Kids dringend der Nestwärme bedürfen. Also den Typus Karrieremutter mit Amme ;-)<br><br>Da merkt man mal wieder die Grenzen dieser eindimensionalen Kommuniktaion durch die hier viele Mißverständnisse entstehen, weil man zuviel oder verkehrtes in Sätze hinein interpretiert.<br><br>Meine Kids würden ohne persönliches Wecken und manches Schütteln wohl selten pünktlich in der Schule sein ... :rolleyes: <br><br>Buona Notte <br>Uli
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„Schlechte“ Eltern – „gute“ Eltern

Beitragvon Toffifee » 18.12.2003, 21:31

Liebe Cello,<br>zu all deinen Fragen ab „sehen die Kinder“ kann ich für mich persönlich „Ja“ sagen… trifft alles zu… ;-) (liebe Pu, leider bleibt das andere Elternteil Sonntagmorgens im Bette liegen…)<br><br>Leider hat sie trotzdem keine Lust, ihr Cello weiter mit in den GD zu bringen oder gar im Chor zu singen… ist zwar schade, wird aber von mir akzeptiert. Dafür fahre ich halt Cello und Kind einmal die Woche zur Schulband, die Art Musik macht eben wesentlich mehr Spaß… ;-)<br><br>Da ich gerade bei meiner jüngeren Tochter Zeiten erlebt habe, in denen sie morgens mit Magenkrämpfen im Bett lag, weil sie in ihrer Klasse nicht klarkam (@ Blacky: dann habe ich öfter mal mir ihr gekuschelt und sie auch mal zu Hause gelassen, aber auch Gespräche mit Lehrern geführt…), ist es mir im Moment einfach wichtiger, dass sie glücklich und seelisch gefestigt ist, als dass sie unbedingt mit mir in die Kirche geht… Wenn es sie glücklicher macht, sich in dieser Zeit mit ihren Freunden im Internet zu unterhalten, habe ich als Mutter mittlerweile eben kein schlechtes Gewissen mehr, irgendetwas falsch gemacht zu haben :cool: <br><br>Und ich glaube einfach auch, dass Gott nicht „kleinkariert“ ist; sicher freut er sich stattdessen, wenn sie Samstagnachts um 12 ihren Freunden erklärt, dass sie jetzt loggen müsse, weil sie ja sonntags in den GD gehen will…<br><br>@ Maxi: Zeit haben und Zuhören versteht sich doch von selbst, oder???? Selbst wenn ich im größten Stress bin, kann meine Tochter kommen, sich auf meinen Schoß pflanzen und mir alles erzählen, was ihr gerade auf dem Herzen liegt …;-)<br><br>Liebe Uli, ganz genau, Deligieren kommt für mich nicht in Frage, wie ich auch die schulische Erziehung nicht alleine den Lehrern überlasse, deswegen auch dieser thread… :-) Und gemeinsam aufstehen und zusammen beten gehört für mich einfachzu einem „guten Start“ in den Tag dazu :) <br><br>Lieber Tizu, auf „Jugendarbeit“ komme ich noch mal zurück, jetzt muss ich erst mal ein bißchen schlafen <br><br>Bild <br>Liebe Grüße von Toffifee
...wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Matth. 18, 20)
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„Schlechte“ Eltern – „gute“ Eltern

Beitragvon Merlot » 18.12.2003, 22:46

Hallo zusammen,<br><br>inspiriert von den ganzen Postings hier stelle ich mal völlig off topic etwas rein, das ich in einem anderen Forum gefunden habe und das in sehr ulkiger aber sehr wahrer Weise auf etwas hinweist, nämlich darauf, dass selbst wir noch "jungen" Dreißiger oder Vierziger eine ganz andere Generation waren und es deshalb heute oft zu Verständnis- und Umgangsproblemen mit der Jugend kommt.<br><br><br> Wenn du nach 1979 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun... Verschwinde! Kinder von heute werden in Watte gepackt......... weiter lesen. Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70 Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten! <br><br>Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. <br><br>Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. <br><br>Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. <br><br>Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die: Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar. <br><br>Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei! <br><br>Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht. <br><br>Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wirtranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen. <br><br>Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms, eigene Weihnachtsbäume. <br><br>Wir hatten Freunde. <br><br>Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns... Wie war das nur möglich? <br><br>Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus. <br><br>Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klar zu kommen. <br>Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung. <br><br>Wir teilten selbstverständlich mit unseren großen oder kleinen Geschwistern ein Zimmer, und dies wirkte sich alles andere als negativ auf unser Sozialverhalten oder unsere freie Entfaltungsmöglichkeit aus. <br><br>Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht ans dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas! <br><br>Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. <br>Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen. <br><br>Und du gehörst auch dazu. Herzlichen Glückwunsch! <br><br><br><br><br>...oder wie ich am Wochenende zu Ned mit seinen drei Jungs sinngemäß sagte:<br><br>wir hatten KEINEN Video und keinen Computer, ich hatte daheim erst ab 10 Jahren überhaupt einen Fernseher. Wir lasen viele Bücher, hatten dadurch in der Schule mit Diktaten und Aufsätzen und bei der verbalen Kommunikation mit den Lehrkräften kaum Probleme, man konnte uns einfach vor die Tür schicken mit den Worten "geh draußen spielen" und bekam dann nicht mit der Jugendclique irgendeiner ethnischen Minderheit oder den gewalttätigen Klassenkameraden sondern höchstens mit den Eltern Ärger, weil man über dem neuesten entdeckten Kletterbaum, Bolzplatz oder irgendeinem Brettspiel oder dem neuesten Playmobilzubehör bei einem Freund die Abendessenzeit vergessen hatte. <br>Bei uns galt noch die echte "Indianerehre" samt selbigem Ehrenwort und nicht die im Bronx-Slang hingestotterte Forderung nach RE-SPECT oder das in Türkendeutsch angedrohte Faustrecht des Stärkeren. <br><br><br>Kein Wunder, dass auch "Kirche" heute bei den Jugendlichen nicht mehr automatisch dieselbe Rolle spielen kann, wie bei uns.<br><br>Ich hab mich übrigens damals nicht wegen der "Kohle" konfirmieren lassen (obwohl ich für selbige dann eine sehr sinnvolle Verwendung fand ;)). Am Morgen meiner Konfirmation hab ich meinen großen Bruder aus unserem gemeinsamen (!) Zimmer geschmissen, weil ich einfach in Ruhe und ernsthaft eine Viertelstunde mit mir und Gott allein sein und beten wollte. <br><br>"Jugendarbeit" erledigten bei uns im Unterbezirk die Größeren an den Kleineren und untereinander, notfalls fragte man diverse Väter unserer Kumpel, wir waren ja schließlich die Kinder der ganzen Priester, Vorsteher und Bezirksämter, da gab es connections genug, wenn es in der eigenen Gemeinde mau aussah mit Betreuung. <br>Ansonsten wurden Eltern eher weniger einbezogen. Man traf sich selbstverständlich zu allen gemeinsamen Kirchenaktivitäten, auch weil man wusste, dass man danach privat immer noch was unternahm zusammen. <br>Wie oft hat z.B. mein großer Bruder mit dem Ford Variant meiner Eltern Shuttledienst für die noch Autolosen gemacht...!<br>Man half sich, man hielt zusammen, man stritt und vertrug sich wieder, und bei jeder wüsten Party gab es auch immer irgendwo eine Ecke, wo man zusammenhockte und intensivst "Jugendstunde" hielt mit sich.<br><br><br>Tja, ist lange her, das alles... Heute weht ein anderer Wind.<br><br>Merlot
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„Schlechte“ Eltern – „gute“ Eltern

Beitragvon user_1106 » 18.12.2003, 23:11

Es war wirklich schön, wenn man sich selbstvergessen mit Kameraden tummeln konnte und es immer später wurde ohne das man das selbst bemerkt hatte.<br><br>In der UF liest sich das allerdings ganz anders:<br><br>"Fritz ist sonntags morgen nicht mehr auf dem Sportplatz, sondern im Gottesdienst."<br><br>"Klaus fuhr in den Wintersport.<br>Am letzten Tag ging er allerdings nicht in den Nachmittagsgottesdienst und brach sich daraufhin promt ein Bein..."<br><br>Ich würde gern mit Michl Koch mal die Archive dieser anmaßenden Sekte durchstöbern...<br><br>Leider hat die "Gauck-Behörde" darauf keinen Einfluß!!!
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Beitragvon cello » 19.12.2003, 06:30

Guten Morgen Toffifee,<br><br>wenn wir als Eltern alles getan haben (wie du bestätigst), dann gibt es keinen Grund für in schlechtes Gewissen. Momentan sind wir (noch?) nicht in der Lage wie du mit deiner Tochter - unser Sohn singt im Chor und geht mit Begeisterung ins Bezirksorchester (spielt aber auch noch in anderen Orchestern). ZWANG würde ich nie ausüben wollen - es wäre das Allerschlechteste.<br>Das einzige wirkliche Argument sind für mich die Glaubenserlebnisse. Es fällt uns nicht immer leicht darüber zu sprechen. Trotzdem denke ich sollten wir die Kinder ermuntern es auszuprobieren: Bringe dich ein in der NAK und bitte um Segen für z.B. deine Schulprobleme. Dann ist sicherlich etwas Durchhaltevermögen angesagt (zuerst für uns Eltern, aber auch für die Kinder). Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, den Jugendleiter/Vorsteher um kräftige Gebetsunterstützung zu bitten. Dadurch kann auch das Verhältnis zu ihnen richtig gut werden.<br><br>Die Mitarbeit in anderen Gruppen zu unterstützen halte ich übrigens für genauso wichtig. Es gibt so viele Kinder, deren Anstrengungen von den Eltern nicht gewürdigt werden.<br>Der Mensch (nicht nur die Kinder-))) lebt von Anerkennung.<br>Deshalb bemühe ich mich, stets auch das Loben nicht zu vergessen. :) <br><br>Schönen Tag
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Beitragvon Merlot » 19.12.2003, 06:55

Trotzdem denke ich sollten wir die Kinder ermuntern es auszuprobieren: Bringe dich ein in der NAK und bitte um Segen für z.B. deine Schulprobleme. [...] Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, den Jugendleiter/Vorsteher um kräftige Gebetsunterstützung zu bitten. Dadurch kann auch das Verhältnis zu ihnen richtig gut werden.
<br><br><br>Liebe cello,<br><br>hm, genau in dieser Haltung sehe ich die Wurzel für das "falsche" Gottesbild, das man in der NAK vermittelt bekommen kann. Das mag vielleicht eine Zeit lang funktionieren, aber irgendwann tut sich mal eine bittere Kluft auf zwischen Gebetserhörungen für so "Peanuts" wie Schularbeiten und verlorenen Schlüsseln oä. und absolut abgrundtiefen Notsituationen, in denen es dann auf einmal offensichtlich nix mehr zählt vor Gott, dass man sich die ganze Zeit schön in die NAK eingebracht hat, weil man eben keine Hilfe und keine Lösung mehr herbeibeten kann. <br><br>Es wäre vielleicht einen neuen Thread wert, mal zu überlegen, für was man überhaupt realistisch beten darf und für was nicht bzw. was das für ein komischer Gott ist, der einem zwar Klassenarbeiten gut erledigen lässt, einem dann aber beim Kampf ums nackte Überleben der Seele auf einmal sitzen lässt...<br><br>Welches Gottbild will man denn oder kann man denn guten Gewissens an Kinder weitergeben, das später nicht zu großen Enttäuschungen oder einem "schiefen Bild" führt?<br><br>Als was will man denn die Kirche den Kindern vermitteln - als eine Stätte der Gemeinschaft, an der zwar auch nur mit Wasser gekocht wird, an der es aber "warm" ist, oder als absolute und notwendige Insitution zur Erlangung eines "ewigen Seelenheils", so wie man die Kids auch in die Schule schickt, damit sie später mal Abitur haben und studieren können?<br><br>Grüßle<br>Merlot
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Beitragvon tiramizu » 19.12.2003, 07:40

Advents-Hallö @all!<br><br>Es freut mich echt, dass dieser (für mich persönlich sehr wichtige) Thread doch noch Zulauf bekommt.<br><br>Cello schrieb: "Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, den Jugendleiter/Vorsteher um kräftige Gebetsunterstützung zu bitten. Dadurch kann auch das Verhältnis zu ihnen richtig gut werden."<br><br>Sorry, aber hier stimme ich mit Merlot in großen Teilen überein. Jemand, der für mich betet, verbessert dadurch nicht das Verhältnis zu mir. Wenn es mal "in die Hose" geht, zweifelt man irgendwann den Glauben an, weil es doch immer so schön "funktioniert" hat. Die meiner Meinung nach eher moralische Unterstützung bei "Peanut"-Problemen, kann als Glaubenserlebnis angesehen werden - aber auch als Erfolg aufgrund von Entspannung und Konzentrationssteigerung. Wenn es ans Eingemachte geht, hat man u.U. noch nicht gelernt, dass es auch mal gilt, etwas durchzustehen. Resignation und Vertrauensbruch können dadurch entstehen.<br>Das Verhältnis zu Jugendleitern und "Vorangängern" (ich mag das Wort immer noch nicht) wird in der Rebellions- und Abnabelungs-Zeit viel mehr durch entgegengebrachtes vertrauen, Offenheit, Respekt und Akzeptanz gefördert. In Jugendstunden darf man nicht nur über höchst theologische Themen und Gedankenmodellen philosophieren. Das führt dazu, dass nur die Mitmachen, die (schon) in diesen Sphären denken. Alle anderen sind gelangweilt oder sogar enttäuscht, dass das, was ihnen wirklich auf der Seele BRENNT überhaupt nicht angesprochen wird. Sie erfahren keine BESTÄTIGUNG und ziehen sich deshalb MANGELS INTERESSE zurück.<br>Durch meinen damaligen Jugendgruppenleiter entwickelte sich unsere Jugendgruppe zu einem sehr vertrauten Kreis und es war klar, dass man über ECHTE Probleme sprechen konnte - offen und ohne dass jemand die Augen verdrehte. Vertrauen - Offenheit - Denkanstöße, das war eine Entwicklung die mich sehr "stolz" auf "meine" spätere Jugend machte. Starke Persönlichkeiten sind daraus gewachsen und waren/sind der Motor des Bezirks und der Gemeinden geworden.<br><br>Zusammengefaßt: Der "Ich bete für Dich!"-Standardspruch reicht bei weitem nicht.<br><br>@Merlot<br>Danke für Dein Bericht über "Früher"! Erinnerte mich sehr stark an meine Jugendsünden und die "Action"... bin ich schon sooo alt???? :confused: <br>Ist das MP3 bei Dir angekommen?<br><br>Grüßle am Morgen!<br><br>tiramizu
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Beitragvon cello » 19.12.2003, 07:58

Hallo,<br><br>eure Einwände kann ich gut nachvollziehen.<br>Wenn ich in meinem Vertrauen zu Gott grundsätzlich davon ausgehe, dass ich in schlimmsten Situation keine Hilfe "herbeibeten" kann, habe ich dann überhaupt richtiges Vertrauen?<br>Manchmal sehen wir die Hilfe Gottes auch nicht als Hilfe, brauchen länger um den Weg wieder zu finden. Hier würde ich das Problem eher beim Menschen als bei Gott suchen.<br>Trotzdem sterben täglich auch gläubige Menschen an Krebs.<br>Soll ich deshalb sagen - weil er dies zulässt kann ich nicht grenzenlos vertrauen? Jesus hat meines Erachtens nach nicht so gehandelt, obwohl Gott das Allerschwerste von ihm verlangt hat.<br><br>Vertrauen, Offenheit, Akzeptanz von Seiten des Jugendleiters würde ich wirklich als Grundvoraussetzung sehen. "Ich bete für dich" gehört dann dazu. Isoliert kann dieser Satz in der Tat wenig bewirken.<br>Als Einstieg zu einem wirklich gemeinsamen Weg im Glauben denke ich, bringt eine Gebetserhörung wahnsinnig viel.<br>Wenn wir dies aber nicht haben - wo ist dann der Unterschied zu einem Jugendleiter im Verein?<br><br>Advents-tschüß
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Beitragvon tiramizu » 19.12.2003, 08:31

Hallo Cello,<br><br>ums vorweg zu nehmen: Der Unterschied besteht darin, dass man im Verein selten über persönliche Anliegen spricht.<br>Ich gebe Dir recht, wenn Du sagst "Ich bete für Dich" gehört dazu. Allzu oft habe ich aber erlebt, dass dieser Spruch alleine stand und der, der es sagte ansonsten hilflos und wortlos dastand. Was Du mit "richtigem" Vertrauen ansprichst, kannst Du von einem Jugendlichen nicht in gleichem Maße abverlangen, der bis Dato vielleicht wirklich nur Schularbeiten-Probleme mehr oder weniger bewältigt hat. Gute Noten in der Schule haben meines Wissens nach noch niemanden in die Gemeinde eingebunden.. verstehst Du, auf was ich raus will? Habe Probleme, das alles in kurzen Sätzen wiederzugeben.<br>Es geht in diesem Thread um einen sehr sensiblen Lebensabschnitt bei Jugendlichen, wo es zunehmend von Seiten der Jugend-/Gemeindearbeit gefordert wird als von den Eltern, die Jugend ernst zu nehmen, sie einzubinden und "für-voll" zu nehmen (hat nichts mit Alk zu tun! :D ). Meiner Erfahrung in der Jugendarbeit nach zu Urteilen, sind bei "Frischlingen" in der Jugend Akzeptanz und das Gefühl vom Groß-sein sehr wichtig. Begeistert man die Jugend und schafft man es, Ihnen die o.g. Dinge zu vermitteln und Vertrauen aufzubauen, kommen Glaube und Glaubenserlebnisse von ganz von alleine. Das sind nämlich Dinge, die ich als Jugendleiter nicht "erzeugen" kann, sondern ich kann die Entwicklung dahin begünstigem. Sehr wohl kann ich aber Akzeptanz bekunden und das Gefühl vermitteln dazu zu gehören.<br><br>Zum Thema zurück: Wenn Ihr Euch als Eltern fragt, was habe ich falsch gemacht und bin ich ein gutes "Elt" oder nicht - dann macht Euch bewußt, dass Ihr bestimmte Dinge, wie Glauben beispielsweise, nicht geben könnt - aber die Rahmenbedingungen sehr wohl. Allerdings kann und darf es nicht an Euch hängenbleiben, denn diese Rahmenbedingungen haben auch andere zu schaffen. Ich beobachte sehr zu meinem Verdruss, das man dafür zunehmend Unsensibler wird. Die Beispiele habe ich im Vorlaufenden ja schon genannt.<br><br>Diese Oberflächlichkeit können wir uns aber nicht leisten, sonst geht es uns wie den Dinos! ;) <br><br>Ein Gruß in die Runde!<br><br><br>tiramizu
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Beitragvon pu » 19.12.2003, 09:53

@Merlot :) Deinen Text zu *früher* find ich echt Klasse, da hab ich mich auch drin wiedergefunden. Nur, wenn ich das heute meinen Kindern erzähle, rollen sie mit den Augen und sagen *damals* (dabei stehe ich erst in der Blüte meines Lebens :D) Früher war bestimmt nicht alles besser, manchmal sogar im Gegenteil, doch manche Sachen waren einfach schöner, dadurch, dass man nicht dieses Überangebot an Freizeitgestaltung hatte. Allerdings war für mich *Kirche* als Jugendlicher nicht so toll. Die Jugendstunden waren *kleine Gottesdienste* wo das Jugendrundschreiben vorgelesen wurde. Über Probleme wurde nicht gesprochen, denn die *gab es ja garnicht*, diskutieren war *pfui*, Eigenverantwortung war ein Fremdwort.<br>Von daher habe ich immer gesagt: so sollen meine Kinder nicht aufwachsen. Die sollen schon eher als ich kennenlernen, dass der liebe Gott ein Lieber ist und nicht ein *Strafender oder Drohender*. Nur kann das auch eine *gefährliche Gratwanderung* sein: Wieviel Freiheit tut meinem Kind gut? Grenzen finde ich wichtig, nur wo genau ziehe ich sie? <br>Dieses *ich bete für dich* finde ich selbstverständlich. Nur, denke ich, dass das besonders für die Jugendlichen z.T. einfach zu abstrakt ist. Sie wollen was Handfestes. Echte, anfassbare Unterstützung, einen AT oder ein Geschwist zu dem man Vertrauen hat, mit dem man Reden kann, auch mal Frust abladen kann, zusammen beten kann, von dem man weiß er versteht einen. Sowas wünsche ich mir, besonders für die Jugendlichen.<br>Gruß in die Runde <br>pu
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Beitragvon tiramizu » 19.12.2003, 10:45

Danke pu!<br><br>Dein Beitrag drückt unkompliziert das aus, was ich eigentlich auch versucht habe auszurücken. DAS wünsche ich allen Jugendlichen... und den Geschwistern!<br><br>... ach übrigens!<br>Bald ist Weihnachten! :D
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Beitragvon pu » 19.12.2003, 10:52

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Beitragvon tiramizu » 19.12.2003, 10:55

Ich hätte übrigens Lust auf nen Glühwein und einen Crepe mit Marzipan und Mandeln.... hat jemand Lust? Bringt die Jugend mit! :D
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