Verletzungen

Diskussionen über Aspekt der neuapostolischen Soziallehre

Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:44

Hallo Leute,

also, ich bin ja ganz begeistert von dieser Seite.
Mensch, -- dass es so eine Möglichkeit gibt, ist doch toll.
Gerne hänge ich mich mit rein, denn ich habe da auch so ein paar Sorgen:
Wenn Du verletzt bist und keiner von denen, die dich verletzt haben und die du eigentlich liebst, gibt zu, dass er einen Fehler gemacht hat, dann ist das schlichtweg total bescheuert.
Für alle, die jetzt sagen: Hey, das stimmt…. will ich mich ab jetzt jeden Montag hier einklicken.
Also lehnt euch zurück, entspannt euch, denn wie heißt es doch so schön?
„ Was ist das alles gegenüber der Unendlichkeit des Weltalls…! ?“
Bis demnächst
Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:45

Hallo Leute,
hier bin ich wieder – Kalle –
na klar glaube ich an Katzen.... und.... auch an Montagsmaler...
Wie geht es euch?
Ihr erinnert euch?, na ja, wenn nicht, auch nicht so schlimm.
Also: letztlich ging es an dieser Stelle um Verletzungen, Verletzungen der Seele.
Klingt ja ganz hochtrabend, ist aber einfach, sodass sogar ich das verstehe.
John Bradshaw meint: Viele von uns haben alle ein verletztes kleines Kind in sich.
Blöd- wie kann man ein Kind in sich haben. Oder ?
Warum reagierst du denn so bescheuert, wenn andere dir signalisieren: du und deine Probleme sind mir total egal- leiste erst mal was, dann werde ich dich lieben- andere Dinge sind viel wichtiger!
Du reagierst mit Wutausbrüchen oder ziehst dich zurück, wirst depressiv oder agierst irgendetwas.
Wer reagiert dann wohl ? – eine Zwanzigjährige, ein Dreißig- oder Vierzigjähriger ? oder sein
verletztes Kind in seinem Innern ?
Ein abhängiges, im sozialen Abseits lebendes Kind eines Seelsorgers sagte mir einmal:
Ich wollte ja nicht, dass er sagt, die Kirche kommt an irgendeiner Stelle in seinem Leben, nein das wollte ich nicht- aber hätte er mir nur einmal gesagt: ich liebe dich, du bist mir wichtig !
… und nicht immer nur die Anderen, dann wäre vielleicht vieles anders gelaufen, aber so ???.....
Ja, so ist das mit dem verletzten Kind.
Aber nun die gute Nachricht:
Leute,! --- lassen wir uns nicht die Wurst vom Brot nehmen. Ich sage euch: es gibt eine Lösung.
Ja , es gibt eine Lösung.
Also bis zum nächsten Mal, lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran:
„ Es ist zwar schwer, aber es steht fest: Du kommst hindurch“
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:47

Heute das dritte Mal, man, wie die Zeit vergeht:
Hallo Leute,
das hätte ich so nicht gedacht. Vielen Dank für die Reaktionen, natürlich auch an Outsider.
...Das ist so ein Ding mit dem Verstandenwerden...
Klar brauchen wir das, es ist für uns und alle überlebensnotwendig……
Wo fangen wir da an, wenn es so schwierig ist und dieses Feedback sehr selten kommt?
Ihr erinnert euch:
Es gibt demnach so ein kleines Kind in uns und gerade dieses braucht Verstandenwerden.
Und das ist möglicherweise der erste Schritt.
Nur wir selbst können uns dieses kleinen Kindes in uns annehmen und ihm das geben, was es
in der jeweiligen Entwicklung nicht bekommen hat und doch so dringend heute noch braucht.
Diejenigen, die diese Bedürfnisse hätten befriedigen müssen, aber nicht haben, waren selbst verletzte Kinder und wussten und wissen es nicht besser- vielleicht ist das deswegen alles so schwer.
„Ich will mich meines kleinen verletzten Kindes annehmen“, heißt für mich in der ersten Phase die Frage: wie ist, wie fühlt denn dieser kleine Kalle in mir und wie kann ich ihm vermitteln, dass ich gerade deswegen bei ihm sein werde und ihn nicht verlasse.
Auf diesem Weg habe ich Großes, aber auch teilweise Schmerzliches gesehen….
Ein paar wirklich gute Hinweise hat John Bradschaw gegeben, die ich mit meinen Erfahrungen hier gern weitergeben möchte.
Klar, es klingt möglicherweise „cool“, mein Spruch am Ende des Beitrages.
Ich möchte jedoch, um wieder ins Jetzt zu kommen, dabei bleiben.
Deswegen:
Lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran:
„ ..sich selbst lieben, das ist nicht nur möglich, sondern gewollt, denn wie heißt es(?):
….lieben wie dich selbst!“
Bis dann.
Kalle
PS. Da ich keinen eigenen Internetanschluss habe, danke ich hiermit herzlich meinem lieben Freund, der für mich die Beiträge einstellt.
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:47

Vorwort vom "Kalle-Boten":

Mein Dienst scheint ja richtig wichtig zu sein. Montag ist Kalle-Tag, oder?
Also schnell rein ins Forum mit dem, was mir Kalle heute Mittag per Diskette gegeben hat.
Einen Hinweis noch: Kalle hat wirklich keinen Internet-Anschluss und will bis auf weiteres keinen haben. Ich sorge aber (eigenmächtig und irgendwie etwas penetrant, oder, Kalle?) schon dafür, daß er wenigstens die Ausdrucke aus "seinem" treat erhält.
Also, lieber Outsider und liebe Anne: die Antwort, die jetzt kommt (Montags-Beitrag Nr. 4)hat Kalle geschrieben ohne(!) Euer Rufen von heute gehört zu haben. Passt aber irgendwie schon, oder?

So, jetzt kommt Kalle:




Liebe Special - Gemeinde,
Hallo Leute,
ich hoffe, der eine oder andere hat sich ein Stück anfreunden können mit dem Gedanken, dass es möglich ist, sich seines Inneren, sich seines verletzten Kindes anzunehmen.
Ich hab viel darüber nachgedacht, wie ich das am besten darstellen kann.
Vielleicht so:
Der sehr gute Vater, die sehr gute Mutter (sie mögen irgendwo auf dieser Welt leben, ich jedenfalls kenne so einen perfekten Menschen nicht) würde sich mit seinem Kind auf einer Party, einem Zusammensein von eigentlich guten Freunden, lieben Menschen befinden.
Es wird getrunken….oder auch nur sehr intensiv diskutiert… oder…
Auf einmal wird einer aggressiv, der andere weint, der nächste macht sehr anzügliche Dinge...
Da schaut der Vater in die Augen seines Kindes. Er liest darin Fragen, Verwirrtsein, Angst.
Dieser sehr gute Vater nimmt sein Kind an die Hand; vielleicht --aber auch nur vielleicht-- gibt er einen verständnisauffordernden Blick in die Erwachsenenrunde und
geht mit ihm an einen ruhigen Ort, möglicherweise den Garten, die Toilette ….
Dort setzt er sein Kind auf eine Mauer, auf einen Tisch, sodass sie sich in die Augen schauen können und sagt: Ich bin bei dir und passe auf, dass dir nichts Böses geschieht.
Dann fragt er:
Was fühlst du jetzt? Was möchtest du in diesem Augenblick, dass wir tun sollen?
Auf die Antworten und Wünsche des Kindes reagiert dieser Vater:
Es ist wirklich so; was du gesehen und gehört hast ist wahr und es ist völlig in Ordnung, was du in diesem Augenblick fühlst.
Wir werden jetzt alles so machen, dass du und ich nicht verletzt werden, denn ich bin schon groß und weiß wie das geht…
“Ich liebe dich“, braucht er dann vielleicht gar nicht mehr zu sagen.
Der Vater wird sich freundlich aber bestimmt beim Hausherrn verabschieden.
Die beiden gehen nach Hause oder auf einen Spielplatz, oder ins Kino…oder…
Ist es zu vermessen, wenn ich jetzt sage, genau so ein Vater, so ein Freund, will ich heute und auch morgen und ab jetzt immer für den kleinen Kalle in mir sein, denn ich will für ihn Verantwortung übernehmen und ihn nicht allein lassen.
… Und jetzt fällt es mir doch schwer, meinen Spruch loszulassen…
Naja, ich bin eben doch einer von euch.
In diesem Sinne bis zum nächsten Montag:
Lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran:
„Gefühle sind nicht richtig und auch nicht falsch, sie sind einfach da.“
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:48

Ein Sorry vom Kalle-Boten: Heute ist (ausnahmsweise!) mal Kalle-DIENSTAG!

Aber hier kommt er:




Hallo Leute,
Wie geht`s denn so? ... dumme Routinefrage…
Vielleicht geht es schon mal ganz gut und dann reicht nur ein Blick und alles ist im
negativen Bereich.
Dieser Blick erzeugt ein total verwirrendes, trauriges und niederschlagendes Gefühl und du
weißt nicht, wo das herkommt.
Dazu noch die dusseligen Hinweise:
Das siehst du falsch… in Wirklichkeit hat der doch nichts gegen dich…
was du nur immer hast …
Doch das Gefühl ist da und es hat dich wie sooft niedergeschmettert.
Und da ist sie wieder: diese Verletzung und du denkst oder sprichst es sogar aus:
…Du bist genau wie…..die Sache ist genau wie damals…
Wenn solche Gefühle kommen, dann horche ich in mich hinein und frage:
Hey, wie alt bist du, kleiner Kalle, was ist jetzt mit dir?
Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du fühlst, was du fühlst.
Ich bin bei dir und passe auf, dass uns nichts passiert, denn ich bin schon groß
und weiß wie ich dich beschützen kann.
Was möchtest du in diesem Augenblick, dass wir beide tun sollten?
… und wenn es irgendwie geht, tun wir das dann auch…
Das kann dann ein Anfang dafür sein, dass sich die Verletzungen nicht immer wiederholen.
Ja, es sind sicher auch Verletzungen und damit viele immer wiederkehrende Muster,
die unser Gefühlsleben bestimmen.
Warum haben wir nur solche Verwundungen erleben müssen von unserem eigenen Vater, von der Mutter, dem Bruder; von dem Schullehrer, dem Seelsorger oder welchen Menschen auch immer?
Anselm Grün sagt:
„Schau dir deine Wunden einmal an und versuche, dich mit ihnen auszusöhnen.
Denn sie gehören zu dir und zu deinem gewordenen Ich.
Ohne sie wärest du nicht du… wärst du nicht das Wort, das Gott durch dich sprechen will.“
Ein toller Gedanke und vielleicht ein Beginn, deinem Kind in dir ein Beschützer zu werden.
Ich freue mich, dass es euch alle gibt.
Und jetzt wie immer:
Lehn` dich zurück, entspanne dich… und denk dran:
„Auch deine Seele ist mehr wert als alle Schätze dieser Erde.“
Bis bald an dieser Stelle.
Kalle
Dienstag
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:48

Hallo Leute,
Letztlich schrieb ich von Anselm Grün, einem katholischen Geistlichen und Therapeuten:
„Schau dir deine Wunden einmal an und versuche, dich mit ihnen auszusöhnen…“
Die Israeliten haben auch in der Neuzeit viele kollektive Traumata erlebt. In ihren Liedern
können wir ihren Schmerz mal laut schreiend, mal leise und melancholisch hören. Sie schauen hinein in ihre Wunden...
Genau so gut können wir aber auch ihren Mut und die Zuversicht aufgrund des zugesagten Beistandes Gottes bewundern.
Beim Blick in die Vergangenheit unseres Volkes tut sich Vergleichbares auf.
Warum steht uns wohl der Dichter Paul Gerhardt mit seinen wunderschönen
Gedanken so nahe?
Im 17. Jahrhundert erlebte unser Volk ein Trauma:
Jährlich vom Mai bis Oktober wütete die Pest in einem uns unvorstellbarem Ausmaß.
Dazu kamen die mordenden Banden in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mit ihren unmenschlichen Folterungen; es wurden Kinder vor brennende Öfen gestellt, um aus den Eltern die Geldverstecke zu erpressen… Paul Gerhardt überlebte die Pest.
Er und seine Zeitgenossen mussten jedoch das Ergebnis dieses kollektiven Traumas eines ganzen Volkes zur Kenntnis nehmen: Es kam die schwarze Krankheit - die Melancholie. Seine persönliche Betroffenheit versuchte Paul Gerhardt in seinen Texten zu verarbeiten.
Das Volk tat dies unbewusst in den uns überlieferten Märchen. Es wurden diese Wunden angeschaut, aber gleichzeitig der Folgegeneration auch Zuversicht vermittelt:
…Hänsel und Gretel konnten zum Glück der Gefahr im Hexenofen entrinnen...
Wir leben in unseren Tagen und sehen uns konfrontiert mit den schmerzlichen Folgen aus der Zeit unserer Eltern und Großeltern und müssen manchmal ernten, was wir nicht gesät haben.
Und auch deswegen der Gedanke zur Hinwendung in unser Inneres, zum Sich – Selbst -
Bewusst - Sein, um dann in Gott Hilfe, Zuversicht und wahre Zukunftssicherheit zu haben, wie es uns die Israeliten heute noch vormachen und wie Paul Gerhardt es uns in seinen Liedern so glaubhaft übermittelt.
Etwas ruhiger geworden, kannst du dich dann vielleicht doch
zurücklehnen, entspannen und auch daran denken:
… Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt…
Eine liebe Woche.
Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:50

Hallo Leute,

ich bin wieder hier.
Aufmerksame Betrachter sehen, dass ich jetzt "K alle"
mit Leerzeichen bin, denn es hat einiges in der Vergangenheit leider technisch nicht geklappt.Meine Beiträge liegen auf Halde, und weil das so ist, werde ich allen Unkenrufen zum trotz weiterschreiben.
Heute ist Sonntag... und morgen wieder Montag... und damit ein neuer Tag für "Kalle".

Also bis dann.
Nur Liebes wünschend.
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:51

Hallo Leute,

wie kommen wir eigentlich darauf, dass da eine Verletzung in uns ist.
Manch einer sagt, es sei wohl heutzutage Mode, „auf der Couch“ immer
wieder in der Vergangenheit zu kramen.
Mag sein, dass sich auch da etwas verselbständigt hat. Ich selbst wäre
jedenfalls heilfroh, wenn ich nicht zu allen möglichen und unmöglichen
Zeiten und Gelegenheiten vom Leben selbst mit der Nase auf meine
Wunden gedrückt würde; wenn nicht in meinem Umfeld immer wieder
die gleichen schwerwiegenden Dingen passieren würden.
Aber leider ist es so…. Und dann meldet sich ungefragt das verletzte
Kind in mir.
Wenn es mir mit viel Übung und wahrer, gesunder Selbstliebe immer
besser gelingt, den kleinen Kalle in mir unter meine Fittiche zu nehmen,
ihm das Gefühl zu vermitteln, dass ich ihn liebe und nie verlassen werde…
…dann kann etwas ganz schönes, etwas Wunderbares passieren:
Es zeigt sich, zuerst zaghaft und dann immer klarer die Gewissheit, dass
es in mir etwas Unzerstörbares, mit Freude und Kreativität angefülltes
gibt. Selbst die schwerste Entwicklung konnte dies nicht kaputt machen:
Das göttliche Kind in mir.
Es ist der Teil von uns, der auf menschliche Art die Kraft besitzt, die dem
Göttlichen am nächsten kommt, die Kraft der schöpferischen Erneuerung.
Das göttliche Kind ist tief religiös. Es besitzt den unerschütterlichen
Glauben, dass es etwas Größeres gibt als es selbst. Es zeigt sich, wenn wir
einen lieben Freund treffen, wenn wir staunend vor den Wundern Gottes
stehen, wenn wir kreativ sind und auch, wenn wir uns über einen Erfolg
richtig freuen können.
Dies als zarten Streifen am Horizont kann möglicherweise ein Grund sein,
dich zurückzulehnen, zu entspannen und daran zu denken:
„… der dich behütet, schläft nicht…“
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:51

Hallo Leute,
ein jeder hat seine Lebensgeschichte. Diese annehmen heißt nichts anderes
als sein Inneres anzunehmen, nämlich seine Wunden genauso wie die kreativen
Stärken aus dem Göttlichen.
Schauen wir unser Leben an, dann kommen wir nicht umhin, viele schwierige
Situationen und Konstellationen im jeweiligen Beziehungssystem zur Kenntnis zu nehmen.
Getragen vom Ansatz der Nächstenliebe und damit dem vermeintlichen Verständnis-
Haben- Müssen für den Anderen sind auch unsere Sichtweisen eingegrenzt. Ein objektives Sehen auf die Dinge der Vergangenheit ist somit fast unmöglich, andererseits aber unumgänglich.
… ein kleines Kind spielt, vom Vater unbemerkt, auf dem Hof. Der Vater fährt das Auto aus der Garage und verletzt sein Kind so schwer, dass es sich sein ganzes darauf folgendes Leben
hinkend und mit Schmerzen abquälen muss.
Der Täter: der Vater Das Opfer: das Kind
Der Sachverhalt: ein Unfall
Die Folge: das Kind kann in seinem Leben nie Fußball spielen,
… wird gehänselt als Hinkebein, hat Probleme bei der Partnerschaft…
…ist mit sich und der Welt nicht zufrieden, hat Minderwertigkeitskomplexe…
Schon beim Aufschreiben spüre ich das Spannungsfeld fast körperlich:
SCHULDZUWEISUNG
Du darfst deinem Vater, deinem Bruder, deinem Onkel, deinem… nicht böse sein, denn
er hat das doch nicht gewollt und wollte doch immer nur dein Bestes.
Und außerdem: das vierte Gebot … und das Gebot der Nächstenliebe…
Aber wo gehe ich dann hin mit meiner Wut, meinem Zorn, meiner Traurigkeit, immer
dann, wenn es weh tut an meinem Bein… in meiner Seele?!
Alles bleibt in mir und unbewusst erlernt das Kind eine unnatürliche Überlebensstrategie.
Die so in mir abgelagerte, unterdrückte Lebensenergie bleibt und äußert sich immer und
immer wieder in dem aufbrausenden, jähzornigen oder auch introvertiertem und schmollenden Kind. Ja, auch das ist mein kleiner Kalle und ich bin froh, dass ich nun weiß,
warum er manchmal so aggressiv und unkontrolliert ist. Und es bleibt dabei: Ich habe ihn
lieb und werde bei ihm sein. Ich werde ihm immer wieder vermitteln, dass es ganz normal ist,
wenn er Wut auf solche Sachverhalte hat, wenn er traurig ist über das manchmal oder auch sehr oft dumm und ungerecht verlaufene Leben und beide gemeinsam werden wir beginnen, dies zu betrauern.
Wenn ich nun tröpfchenweise erfühle, wie es ist, sich zu lieben und anzunehmen, ja dann
wird die Liebe Gottes zu mir, zu allem, was mein Sein ausmacht, wie ein wärmender Lichtstrahl mein Herz erreichen können.
In diesem Gedanken freue ich mich auf den nächsten Montag und für heute, wenn es irgendwie geht:
Lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran, J.Bradschaw sagt:
„Als du geboren wurdest hat Gott gelächelt.“
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:52

Hallo Leute,
es geht also darum, unsere Wunden, vor denen wir lieber davonlaufen
möchten, anzuschauen, sich mit ihnen zu versühnen.
Da gibt es eben ein Problem: Wir alle haben Angst vor der eigenen Wahrheit.
Wie gern verherrlichen wir unsere eigene Kindheit, wie oft verharmlosen wir
unsere Verletzungen:… na ja, so schlimm war es ja auch wieder nicht und …
… es hat uns ja nicht geschadet…
Letztlich schrieb ich über Schuldzuweisungen, die aus der Betrachtung der Dinge
zwangsläufig entstehen. Dazu ein Gedanke von Anselm Grün:
„Erst wenn ich die Verletzungen durch den Vater zulasse, kann ich entdecken, wie
der Vater auch gute Wurzeln hat, von denen ich mich nähren kann. Erst wenn ich das vereinnahmende Wesen der Mutter anschauen kann, kann ich auch dankbar
genießen, dass sie sogleich Geborgenheit geschenkt hat.“
Annahme meiner Lebensgeschichte ist somit kein Schwarzweißmalen, sondern
beides: das Anschauen des guten Willens, der nährenden Kraft unserer Eltern,
unserer Bezugspersonen und Lebensbegleiter, aber eben auch das Erkennen des
Vereinnahmenden, des Zerstörerischen. Nur wenn ich beides anschaue, kann ich
mich aussöhnen und im Gebet sagen: `Es ist alles gut so, wie es ist. Es darf alles sein.
Gott hat in allem seine Hand über mich gehalten. Meine Geschichte hat einen
tiefen Sinn.`
Schauen wir uns Menschen an, die große humane Werke getan haben, die
tiefgehende Erkenntnisse zum Wohl des Nächsten eingebracht haben; genauso die
ganz Einfachen, die dir und mir Gutes getan haben: Sie waren in vielen Fällen selbst
verletzte Kinder und konnten gerade aufgrund ihrer Lebensgeschichte vielen und
auch sich selbst eine Hilfe sein.
Ist diese Arbeit dann noch zur Ehre Gottes geschehen, dann ist sie garantiert nicht
vergeblich gewesen.
In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche, schöne Gedanken, schöne
Gefühle und dazu mein Spruch:
Lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran:
„Gott hat uns nicht vor allem bewahrt, er hilft uns aber durch alles hindurch.“
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:52

Hallo Leute,

das verletzte Kind in uns, Verletzungen, Wunden … gehören zu unserem Sein.
Sie sind kein Makel, aber schon Zeichen von Schwachheit, von Verletzlichkeit,
von Aufgebrochensein.
Wenn wir einmal versuchen, uns von den Verursachern zu lösen, haben wir
den Blick frei für die Sache selbst, nämlich auf unser verletztes Kind. Dann
geben wir ihm, dem Opfer, unsere ganze Energie, unsere Liebe und Zuneigung.
Somit wird die Annahme des Verletzlichen in uns leichter und auch möglich.
Wir erleben eine Akzeptanz des Seins und verschwenden nicht mehr soviel
Kraft für die Suche nach dem „Warum“.
Ich kann dann ein Stück loslassen im festen Bewusstsein und gutem Gewissen:
Wenn sich wieder das verletzte Kind in mir meldet, unbändig, traurig, vielleicht
auch fordernd, dann weiß ich:
`Ich habe mich doch entschieden für mein Selbst, ich habe mein Kind in mir
angenommen, ich liebe es so, wie es ist….. I c h d a r f s e i n `.
Dann komme ich in Berührung mit meinem Selbst, meinem wahren Leben.
Dann bin ich offen für die Verletzlichkeit meines Nächsten und…
Dann bin ich offen für die Liebe und Nähe Gottes.
Ich, ja ich beginne zu leben.
Sich entspannt zurücklehnen, kann dann auch heißen, daran zu denken, dass
gerade unser Herr und Meister auch für mich gestorben ist, denn:
„ Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.“
Bis bald.
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:52

Hallo Leute,
„Berührung ist alles…“ zitiere ich heute einmal. Berührung erfahre ich mit
meiner Umwelt genauso wie mit mir selbst.
Gefühle sind dann unsere lebenserhaltende Reaktion darauf.
Wie können wir nun damit umgehen, wenn wir hören, dass wir Gefühle zulassen
dürfen, andererseits jedoch damit den Nächsten und uns selbst nicht verletzen
sollen? Unabhängig, ob wir nun wollen oder nicht, ob es uns gefällt, oder nicht:
Sie kommen, die Gefühle und… mein Körper, mein Geist reagiert.
Wurde mir nun bei Konflikt auslösenden Gefühlsäußerungen immer wieder gesagt:
… das ist unanständig… schäme dich, noch mal schreist du mich nicht an…
… darüber spricht man nicht… kannst du dich nicht zusammenreißen?!...
dann wird die Lebensenergie erst einmal unterdrückt. Bricht sie in einer von uns
selbst und dem Nächsten nicht erwünschten Art und Weise hervor, kann das
schon schlimm und belastend sein.
Es entwickelt sich über eine lange Zeit hinweg ein Muster, was dann unsere
Reaktionen auf Gefühle bestimmt;
das verletzte Kind agiert, denn es will doch überleben!!
Sind wir nun auf Gedeih und Verderb diesen Reaktionsketten ausgeliefert?
Ich sage: NEIN, denn genau in diesem Prozessabschnitt zwischen dem Auftauchen
des Gefühls und der Entscheidung zur „Verwendung“ der Energie liegt unsere
Chance des Nicht-Ausgeliefert-Sein-Müssens. Dieser Lernprozess ist ein langer,
ein schwerer, aber auch ein phantastischer Weg, auch ein Weg zur Annahme:
deines verletzten Kindes, deiner Gefühle, deiner Lebensgeschichte, deines Selbst.
Eingeschliffene Reaktionsketten können in ihrer Schärfe gelindert werden, alte
Verletzungen müssen dann nicht immer zwangsläufig neu entstehen…
Bis zum nächsten Montag viele schöne Gedanken, na ja und dazu:
Lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran:
„Weil du so wert erachtet bist vor meinen Augen, sollst du auch herrlich werden.“
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:53

Hallo Leute,

in unseren Wunden spüren wir das Leben, unser wahres Leben.
Thomas von Aquin sagt: „Es gibt etwas Göttliches, das nur durch mich ausgedrückt werden kann und das von anderen Menschen nur durch mich erfahren werden kann. Dort, wo ich verletzt bin, liegt
auch der Schatz in mir, die Perle, die mich an dieses einzigartige Bild Gottes in mir erinnert.“
Das heißt, dort, wo ich verletzt bin, spüre ich mich auch.
Gerade in der Trauerarbeit wird dieser Zusammenhang deutlich.
Es ist sehr schwer, sich in den Schmerz zu begeben. Es ist fast nicht auszuhalten, den erlittenen Verlust in Kenntnis dessen, dass es keinen Ersatz geben kann, zu akzeptieren und somit die
entstandene Wunde, diese Leere anzuschauen.
Wenn du aber das große Glück hast, einen Begleiter zu haben, der dir einfach zuhört, der dir vermittelt, dass du sein darfst und der
anschaut, ohne zu werten, ohne zu bewerten; dann wird es einen lichten Ausblick auf deiner Trauerreise geben.
Du spürst dein wahres Selbst in der Wunde und sie kann, heute noch unbegreiflich, ein Schatz für dich werden.
Jesus hat sich gerade an die Verwundeten gewandt, weil er wusste,dass sie offen sind für die frohe Botschaft vom barmherzigen Gott.
Und ist Gott in uns und verspüren wir Seine Nähe, dann kann in dir und mir die feste Zuversicht wachsen: „Es wird alles gut!".....
Also,bis demnächst,
lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran:
„Er, der dich errettet, bringt dich sicher auch nach Haus…“
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 18.03.2009, 22:53

Hallo Leute,

tolle Technik, so eine Digitalkamera. Prinzipiell kannst du jeden
Augenblick als Foto dokumentieren. Stellen wir uns vor, wir hätten
dieses Archiv von Bildern aller Situationen unseres Lebens.
Greifen wir wahllos ein paar Bilder heraus.
Das erste Bild: Wir waren vielleicht zwölf Jahre, vor uns der betrunkene
Vater, der gerade die Hand zum schmerzlichen Schlag gegen uns
erhebt und zuschlägt. Wir: ganz verstört, traurig, enttäuscht…
Oder das Nächste: Wir, zwanzig Jahre alt, im Kreißsaal, dazu Ärzte,
Krankenschwestern; gerade ist unser Kind auf die Welt gekommen.
Wir spüren die Nähe der Ewigkeit, sind überglücklich, das Leben
ist so schön…
Zehn Jahre später, noch ein Bild: Ich liege im Krankenhaus, um mich
herum Patienten, Besucher, Traurigkeit. Ich bin deprimiert, leer:
Unsere Ehe ist kaputt, gerade sind wir geschieden; ob der frühe Tod
meiner Mutter auch dazu beigetragen hat?...
Nun die Frage:
Wären diese Bilder, wären damit diese Zeitabschnitte im Weltenlauf ohne
uns vollständig? Wären sie wahr? - Nein, denn wir gehören einfach auf
diese Bilder, wir sind Teil des Geschehenen. -
Kohelet, auch bezeichnet als der Prediger Salomo, sagt:
„Alles hat seine Stunde…Liebe und Hass, Lachen und Weinen…
Trauer und Freude, Geborenwerden und Sterben…
Nur, wenn ich beide Pole akzeptieren kann, lebe ich meinem Wesen
entsprechend. Kohelet lädt uns mit seinen Gedanken ein, mich an nichts
anderem festzuhalten als an Gott.
Unsere Vorstellung ist, dass es für uns nur gute Zeiten geben sollte, doch
der Prediger meint, jede Zeit sei eine gute Zeit, auch die Zeit des Weinens
und des Trauerns.
Annahme der Lebensgeschichte heißt dann auch, Vertrauen zum Heute und
berechtigte Hoffnung in das Morgen zu haben.
Und so werde ich Leben, wahres Leben, spüren und kann zu mir selbst
kommen.
In diesem Sinne:
Lehnt euch zurück, entspannt euch und denkt dran, wie Gaby schreibt:
„Wenn uns jemand lieb hat, macht die Seele(der Seelenvogel) fröhliche Spünge."
Euer Kalle
Herausgeber3
Administrator
 
Beiträge: 314
Registriert: 02.03.2009, 12:54
Wohnort: NRW

Nächste

Zurück zu Leben in der NAK



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast