Verletzungen

Diskussionen über Aspekt der neuapostolischen Soziallehre

Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 19.03.2009, 22:35

Übrigens,
was ist wohl die Ursache dafür, wenn das Kind
in uns kein Urvertrauen besitzt, wenn es völlig
allein, traurig und verängstigt in uns verharrt?

Es ist nicht immer gleich ersichtlich, wie wir
verletzt wurden. Zu groß war die Macht derer,
die uns unsere Gefühle diktierten.
Zum einfühlsamen Verständnis lasst mich
nachfolgend einige „Briefe“ zitieren. Diese
sind entstanden in einem Workshop in den
neunziger Jahren als Ergebnis der Aufforderung
an die Teilnehmer, doch einmal dem Kind in
sich zu erlauben, tabulos alle aufkommenden
Wünsche und Empfindungen zu äußern und
dies wurde vom Erwachsenen mit der nicht
dominierenden Hand aufgeschrieben:
„Lieber Dad, du sollst wissen, wie sehr du mich
verletzt hast. Als wir noch zusammen waren,
hast du mich oft bestraft. Die Striemen und
Schrammen hätte ich ja noch ertragen können,
wenn du bloß mehr Zeit für mich gehabt hättest.
Ich habe dir nie sagen können, wie sehr ich mich
nach deiner Liebe gesehnt habe. Wenn du doch
nur mit mir gespielt oder mich zu einem
Fußballspiel mitgenommen hättest. Wenn du
doch ein einziges Mal gesagt hättest, dass du
mich lieb hast….“
„Mutter, du warst immer so sehr mit deinen
Wohltätigkeitsveranstaltungen beschäftigt. Du
hattest nie Zeit, mir zu sagen, dass du mich lieb
hast. Du hast dich nur um mich gekümmert,
wenn ich krank war oder wenn ich Klavier spielte
und du stolz auf mich warst. Du hast mir nur die
Gefühle gestattet, die dir passten. Ich war nur
dann wichtig, wenn ich dir Freude machte. Du
hast mich nie um meiner selbst willen geliebt.
Ich war so allein…“
Ein Blinder liest einen Brief in Blindenschrift:
„Ich habe dich gehasst, weil du dich meinetwegen
geschämt hast. Wenn deine Freunde zu Besuch
kamen, hast du mich in das Zimmer hinter der
Garage gesperrt. Ich habe nie genügend zu essen
bekommen. Ich hatte immer solchen Hunger. Ich
wusste, dass du mich hasst, weil ich dir lästig war.
Du hast mich ausgelacht, wenn ich hinfiel…“
Für den Rest der Woche heute mal sehr nachdenklich:
„Ja, es gibt eine Zeit zum Sterben, zum Herausreißen,
zum Weinen und Klagen, zum Aufhören zu herzen,
zum Verlieren, wegzuwerfen, zu schweigen und
auch eine Zeit zum Hass und Streit.“
Euer K.H.K.
Herausgeber3
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Re: Verletzungen

Beitragvon Herausgeber3 » 19.03.2009, 22:35

Übrigens
regt sich das verletzte Kind in uns öfter als
uns dies im täglichen Ablauf bewusst wird.

Es fühlt sich für Erwachsene schon seltsam an,
wenn sie hören, dass uns Botschaften in Form
von Briefen des verletzten Inneren erreichen.
Werden uns belastende, unser Leben vielfach
vergiftende Gefühlszustände aufgeschrieben,
und das dazu noch mit der nicht dominierenden
Hand, kann dies zu den geschilderten Aussagen
des obigen Beitrages führen. Zum Glück sind
es nicht in jedem Falle so schockierende und
dramatische Verletzungen, die sich da zeigen.
Eines scheint aber allen gleich zu sein: Da sind
ein oder mehrere berechtigte Bedürfnisse
eines kleinen Kindes nicht befriedigt worden.
Und nun sucht dieser Mensch sein ganzes
Leben lang dessen Erfüllung. Treffen sich auf
dieser Welt dann zwei solcher „erwachsenen
Kinder“, scheinen im ersten Moment der
blinden Liebe diese Sorgen nun endlich gelöst
zu sein. „Endlich habe ich jemanden gefunden,
der mich liebt.“ Dabei wird das Gefühl der
Liebe einzig und allein nur durch die bis dahin
nicht erhaltene und jetzt nun am Horizont
aufscheinende Zuneigung definiert werden.
Praktisch entwickelt sich das dann so: Dem
Partner erzähle ich von der nicht erhaltenen
Liebe in der Familie. Ich berichte davon, wie
ich immer nur hinten angestellt wurde, wie
nur andere wichtig waren und ich nur zählte,
wenn ich meine ungesunde Strategie benutzte:
Ich war dann immer lieb und kümmerte mich
darum, dass es den Anderen gut ging. Oder
aber ich wurde krank, um Zuneigung und
Beachtung zu erfahren. Doch das hatte auf
Dauer auch keinen Erfolg, denn irgendwann
wollten die Anderen nichts mehr mit so
einen Menschen zu tun haben. Ich war für
sie dann doch zu anstrengend, zu farblos….
O ja, das kann mein Partner gut verstehen
und sein Vornehmen wird somit folgerichtig
nur sein, dass er diesem bedürftigen Geschöpf
mit aller seiner Liebe das geben werde, was es
nie so richtig erleben konnte… Soweit zum
Vorsatz der „ersten“ Liebe, wenn sich zwei
erwachsene Kinder begegnen.
Und nun für den Rest der Woche, in der die
Fastenzeit beginnt:
„Das Eingeständnis, dass `alles verloren ist`,
ist der erste Schritt, `alles zu gewinnen`“.
Euer K.H.K.
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